Baumwipfelpfad und Ranger-Tour, Fledermaus-Exkursion und Pilzwanderung, Geo-Chaching und Meditation - vom 18. bis 20. September finden die „Deutschen Waldtage“ statt, ausgerufen und organisiert vom Bundesministerium für Landwirtschaft. Fakten rund um einen für Menschen, Tiere und Pflanzen bedeutsamen Lebensraum.
Wie viel Wald gibt es in Deutschland?
Knapp ein Drittel Deutschlands sind nach Angaben des Thünen-Instituts in Braunschweig bewaldet - das sind 11,5 Millionen Hektar. Damit ist Deutschland eines der waldreichsten Länder in der Europäischen Union. Am meisten Wald gibt es in Rheinland-Pfalz und Hessen, am wenigstens in Hamburg und Schleswig-Holstein. In Niedersachsen und Bremen beträgt die Waldfläche etwa 1,1 Millionen Hektar, das ist knapp ein Viertel der beiden Bundesländer. Niedersachsen und Bremen liegen damit auf Platz 11 im Bundesländervergleich. Die Waldfläche ist in den vergangenen 50 Jahren um mehr als 1,5 Millionen Hektar gewachsen. Das Thünen-Institut ist ein unabhängiges Forschungsnetzwerk des Bundes.
Wem gehört der Wald?
Fast 50 Prozent des deutschen Waldes sind in privater Hand. Drei Prozent gehören dem Bund, 29 Prozent den Bundesländern. Rund 20 Prozent sind im Besitz von Körperschaften wie Gemeinden, Städten oder Kirchen.
Welche Bäume kommen in den Wäldern am häufigsten vor?
Die häufigsten Baumarten sind mit jeweils rund 20 Prozent Kiefern und Fichten gefolgt von Buchen mit 17 Prozent und Eichen mit 12 Prozent. Rund 28 Prozent verteilen sich auf weitere 47 Baumarten wie Birken, Eschen, Ahorn und Lärchen. Nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wachsen in den Wäldern Deutschlands rund 90 Milliarden Bäume. Es gibt etwas weniger Laubbäume als Nadelbäume, wobei die Zahl der Laubbäume in den vergangenen Jahren leicht zugenommen und die der Nadelbäume abgenommen hat.
Was leistet der Wald für die Menschen?
Wälder bieten den Menschen Erholung und saubere Luft. Es gibt Picknickplätze, Waldbaden für die Seele, Trimm-dich-Pfade, Waldkindergärten und Friedwälder. Das Ökosystem Wald nimmt eine zentrale Rolle beim Klimaschutz und für die Gesundheit der Menschen ein. Wälder sorgen für Artenvielfalt und fungieren als Kohlenstoff-Speicher. Der Waldboden filtert Niederschlagswasser, bevor es zu sauberem Grundwasser wird, und sorgt für Hochwasserschutz, indem er Regenwasser aufnimmt und nur langsam wieder abgibt.
Bäume filtern Schadstoffe aus der Luft, schützen vor Erosion, entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff. Laubwälder produzieren dem Landesforst Mecklenburg-Vorpommern zufolge jährlich 15 Tonnen Sauerstoff pro Hektar, Nadelwälder 30 Tonnen. Von dem Sauerstoff, den eine 150 Jahre alte Buche produziert, kann ein Mensch mehr als 13 Jahre lang atmen.
Der Rohstoff Holz hat eine große wirtschaftliche Bedeutung. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist Deutschland im europäischen Vergleich in der Forst- und Holzwirtschaft Spitzenreiter. Der Gesamtvorrat an Holz in deutschen Wäldern liegt bei rund 3,7 Milliarden Kubikmetern. Eine Million Beschäftigte erwirtschaften in der Branche rund 187 Milliarden Euro. Aus Holz werden Gebäude und Möbel gefertigt, zudem Verpackungen, Papier, Pellets und Brennholz.
Welche Rolle spielt der Wald bei Hitze?
Wald schützt vor Hitze, nicht nur, weil das Sonnenlicht durch das Blätterdach der Bäume absorbiert und reflektiert wird und es im Wald schattig ist. Sondern auch, weil Bäume transpirieren. Sie verdunsten Wasser aus dem Boden über ihre Blätter oder Nadeln, diese Verdunstung kühlt. Dazu kommt die sogenannte Windruhe im Inneren des Waldes. Sie bewirkt, dass die kühle Luft länger im Wald bleibt.
Wie geht es dem Wald?
Der deutsche Wald leidet der Waldzustandserhebung 2025 zufolge noch immer unter den Dürresommern 2018 bis 2020. Rund 80 Prozent der Bäume leiden unter dem Verlust von Blättern oder Nadeln, der sogenannten Verlichtung ihrer Krone, nur jeder fünfte Baum ist gesund. Unter Kronenverlichtung verstehen Experten den Verlust von Nadeln oder Blättern. Ist ein Baum krank, haben es Schädlinge wie der Borkenkäfer leicht.
Um die Widerstandskraft der Wälder zu stärken, setzen Forstwissenschaftler auf den klimaresistenten Waldumbau - weg von anfälligen Monokulturen hin zu artenreichen Mischwäldern. Dieser Umbau ist im Gang, jedoch ein Wettlauf gegen die Zeit. „In der Landwirtschaft kann man die Fruchtfolge jedes Jahr ändern. Im Wald funktioniert das nicht, deshalb dauert der Waldumbau Jahrzehnte“, sagt Nicole Wellbrock vom Arbeitsbereich Bodenschutz und Waldzustand am Thünen-Institut.
Wie viel Wald wurde im Sommer 2026 vernichtet?
Spanien, Frankreich und Griechenland, aber auch Deutschland, Belgien und Großbritannien: In ganz Europa kämpften in diesem Sommer Feuerwehrleute gegen Waldbrände. Tausende Hektar Fläche sind verbrannt, hunderte Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Feuer konnten sich auch deshalb leicht verbreiten, weil die Hitze die Vegetation ausgetrocknet hat. Am 28. Juni wurde nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Deutschland erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 41,7 Grad Celsius gemessen.
Welche Aktivitäten bieten die „Deutschen Waldtage“?
Das Programm reicht von Nachtwanderungen mit Förstern und vogelkundlichen Spaziergängen über Weiterbildungen zum Waldcoach und Livemusik im Forst bis zum Outdoor-Kochen und ökumenischen Waldandachten. Im niedersächsischen Rehburg-Loccum führt eine Kneipp-Wanderführerin durch den Klosterforst Sünder, in Braunlage im Harz geht es mit einem Nationalpark-Ranger durch das Brunnenbachtal, und in Göttingen gibt es einen interaktiven Vortrag über Wälder im Klimawandel. Das Programm gibt es auf der Internetseite www.deutsche-waldtage.de.