TV-Moderator Ralph Caspers: Bücher beflügeln die Vorstellungskraft
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TV-Moderator Ralph Caspers: Bücher beflügeln die Vorstellungskraft
Oldenburg (epd).

Der Autor und Moderator Ralph Caspers („Die Sendung mit der Maus“) hält das Lesen für die stärkste Art, Bilder im Kopf entstehen zu lassen. „Da entstehen viel intensivere Bilder als im Fernsehen oder im Film“, sagte Caspers dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Kölner ist Schirmherr der diesjährigen größten nicht-kommerziellen Kinder- und Jugendbuchmesse „Kibum“. Sie läuft vom 14. bis 24. November im Oldenburger Kulturzentrum PFL und steht unter dem Motto „Zukunft gestalten! Kibum und die Welt von morgen“. Caspers will kommen und auch vorlesen.

Beim Lesen entstehe sehr viel mehr im Kopf, weil man sich alles vorstellen müsse, führte der Moderator des ARD-Wissenschaftsmagazins „Quarks“ aus. Das gelte für Sachbücher genauso wie für erzählte Geschichten. Im Vergleich zum Bildschirm könnten Leserinnen und Leser zudem leichter selbst über Tempo und Wiederholungen entscheiden. „Da bin ich absolut der Herr meiner Zeit“, betonte Caspers.

Hirn füllt Lücken

Auch Filme lebten von dem, was gar nicht zu sehen sei, erklärte der Vater von drei Kindern mit Verweis auf die Duschszene im Hitchcock-Klassiker „Psycho“. Alle könnten schwören, den Mord gesehen zu haben, dabei sei er nur angedeutet: „Da merkt man, wie stark unsere Vorstellungskraft ist und wie gut unser Gehirn darin ist, Lücken aufzufüllen.“

Kinderbücher dürften vor allem nicht langweilig sein, bekräftigte Caspers. Weil der Geschmack so unterschiedlich sei, liege die eigentliche Schwierigkeit darin, das passende Buch zu finden. Dabei helfen nach seinen Worten Lesefestivals sowie Buchhändlerinnen und Buchhändler, die sich auskennen. „Man kann davon ausgehen, dass für jeden etwas dabei ist.“

Immer mehr Gruselgeschichten

Seinen eigenen Weg zum Lesen fand Caspers über Jugendbuchreihen wie „Die drei Fragezeichen“, „Burg Schreckenstein“ und TKKG. Im Alter von zehn Jahren habe er bei einem langweiligen Familienbesuch im Arbeitszimmer seines Onkels mit „Lebendig begraben“ von Edgar Allen Poe das Horror-Genre entdeckt. „Seitdem kamen immer mehr Gruselgeschichten dazu, Stephen King und andere“. Verschenken würde er heute vor allem Bücher, in denen eine Wahrheit stecke. „Sachbücher erzählen Wahrheit durch Fakten, die besten fiktionalen Bücher erzählen Wahrheit durch Geschichten.“

Zur seit Langem diskutierten Sonntagsöffnung von Bibliotheken mit eigenem Personal äußerte sich Caspers zurückhaltend. „Bibliotheken sind großartige Orte“, sagte er. Zugleich müssten dann Beschäftigte sonntags arbeiten. „Es ist ja immer gut, wenn man auch Zeit zum Rumhängen hat“, gab er zu bedenken. Bislang ist eine solche Öffnung nur in Nordrhein-Westfalen möglich.

Copyright: epd-bild/Johannes Haas

epd-Gespräch: Dieter Sell