Der Göttinger Theologieprofessor Florian Wilk hat vor dem Hintergrund erster Festvorbereitungen auf die bevorstehende 2.000. Wiederkehr des Todes und der Auferstehung Jesu hingewiesen. Das genaue Todesjahr sei zwar unsicher, der infrage kommende Zeitraum beginne jedoch mit dem Amtsantritt von Pontius Pilatus im Jahr 26, erläuterte der auf Neues Testament spezialisierte Bibelforscher dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es könne als gesichert gelten, dass Jesus unter dem damaligen Präfekten der römischen Provinz Judäa hingerichtet wurde. Pilatus hatte das Amt von 26 bis 36 n. Chr. inne.
Papst Leo XIV. hat anlässlich der 2.000-Jahr-Feier bereits ein Heiliges Jahr für 2033 angekündigt. Indes sei es wahrscheinlicher, dass Jesus nicht im Jahr 33, sondern schon 30 n. Chr. gekreuzigt wurde, sagte der evangelische Theologe. Diese Ansicht vertrete die Mehrheit der Historiker, die sich mit dem Leben Jesu befassen. Datierungsfragen sollten einer gemeinsamen Feier jedoch nicht im Wege stehen, betonte Wilk. „Ein solches grundlegendes Ereignis sollte man unbedingt ökumenisch feiern.“
Kreuzigung an einem Freitag
Ein wesentlicher Fixpunkt für die Datierung sei die Angabe in den Evangelien, dass Jesus im Umfeld des jüdischen Pessachfestes gekreuzigt wurde. Historisch-kritisch gesehen gebe es keinen Grund, daran zu zweifeln. „Im Gegenteil: Jesus wollte seine Botschaft an das ganze Volk richten. Das Pessachfest bot dafür die beste Gelegenheit, weil dabei jedes Jahr viele Menschen nach Jerusalem pilgerten.“ Die Evangelien erzählten außerdem übereinstimmend, dass Jesus „am Tag vor dem Sabbat“ getötet wurde, also an einem Freitag.
Eine Schwierigkeit ergebe sich daraus, dass Jesus nach dem Johannesevangelium der Bibel am Vortag von Pessach getötet wurde, also am 14. Tag des jüdischen Monats Nisan, nach den übrigen Evangelien dagegen am Festtag selbst (15. Nisan). Die Chronologie nach Johannes ist aus Wilks Sicht plausibler: „Eine Hinrichtung am Festtag selbst hätte leicht zu einem Aufruhr führen können, wäre also nicht im Interesse der Römer gewesen.“
Nach heutigem Forschungsstand fiel der 14. Nisan in den Jahren 27, 30 und 33 auf einen Freitag, wie der Professor erläuterte. Weitere Hinweise in den Evangelien zum Leben Jesu führten schließlich ins Jahr 30. Als Beispiele nannte Wilk die Angabe, dass Jesus unter Herodes dem Großen, also vor dessen Tod im Jahr 4 v. Chr. geboren wurde, oder dass er zu Beginn seines öffentlichen Wirkens ungefähr dreißig Jahre alt war. Er nehme zudem an, dass dieses Wirken mehr als zwei Jahre dauerte.
Ostern „kein historisches Ereignis“
Der Theologe hält jedoch nichts von Versuchen, Ostern historisch zu fassen. Das jährliche Osterfest mache deutlich, dass sich Ostern im Leben der Kirchen und der Gläubigen immer wieder ereigne.