In Ballungsräumen bieten Vermieter einer Studie zufolge Wohnraum vermehrt als möblierte Zeitmietwohnungen an. So umgingen sie die Mietpreisbremse, teilte das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) am Montag in Bonn mit. Das Institut für Wohnen und Umwelt hatte im Auftrag des BBSR für die Auswertung mehr als 17 Millionen Online-Wohnungsinserate zwischen 2012 und 2024 analysiert. Die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte rasche Maßnahmen an.
In Städten mit mehr als einer halben Million Einwohnern hat sich der Auswertung zufolge der Anteil der Inserate möblierter und befristet vermieteter Wohnungen an allen Wohnungsanzeigen zwischen 2012 und 2024 von 15 Prozent auf mehr als 30 Prozent verdoppelt. In kleineren Großstädten, in städtischen Kreisen und im ländlichen Raum sei deren Anteil weitgehend stabil geblieben und liege zwischen etwas mehr als fünf und gut zehn Prozent. BBSR-Wohnungsmarktexperte Alexander Schürt erklärte, die Daten sprächen dafür, „dass ein Teil des unmöblierten Mietwohnungsangebots in das möbliert und befristet vermietete Segment verschoben wird, um die Mietpreisbremse zu umgehen“.
Vor allem gewerbliche Vermieter verlangen mehr
Zusätzlich zum wachsenden Angebot möblierter Zeitmietwohnungen seien deren Mietpreise deutlich gestiegen, hieß es weiter. Die durchschnittliche Angebotsmiete lag demnach im Jahr 2024 bei gut 27 Euro pro Quadratmeter, was einem Anstieg von mehr als 80 Prozent seit 2012 entspreche. In Städten mit Mietpreisbremse hätten die Preise im vorvergangenen Jahr sogar bei mehr als 30 Euro gelegen. Gewerbliche Vermieter hätten ihre Mietforderungen in diesem Wohnungsmarktsegment seit 2012 in etwa verdoppelt. Bei privaten Vermietern fiel dieser Anstieg mit rund 50 Prozent geringer aus.
Die Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz, Stefanie Hubig (SPD), kündigte eine Stärkung des Mietrechts an. „Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist weiterhin sehr ernst“, sagte sie der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Dienstag). „Wir müssen bei der Stärkung des sozialen Mietrechts dringend vorankommen“, mahnte Hubig. So brauche es bessere und fairere Regeln für möblierte Wohnungen und für Kurzzeitvermietungen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass mit diesen Angeboten die Mietpreisbremse ausgehebelt wird“, unterstrich Hubig.
Hubig: Gesetzentwurf zur Stärkung des Mietrechts vorgelegt
Sie habe deshalb einen Gesetzentwurf zur Stärkung des Mietrechts vorgelegt, erklärte die Ministerin. Neben neuen Regeln für möblierte Wohnungen und Kurzzeitvermietungen enthalte er auch neue Regeln zu Indexmietverträgen und Schonfristzahlungen. Derzeit werde der Entwurf in der Regierung abgestimmt. Ziel sei es, dass der Entwurf „noch in diesem Jahr Gesetz wird“, sagte Hubig.