Der Anteil, den Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen im Pflegeheim aus eigener Tasche bezahlen müssen, ist weiter gestiegen. Die monatliche Eigenbeteiligung im ersten Aufenthaltsjahr betrug zum 1. Januar durchschnittlich 3.582 Euro, das sind 270 Euro mehr als im Vorjahr, wie der Verband der Ersatzkassen (vdek) NRW in Düsseldorf mitteilte. Bundesweit liegen die Eigenanteile nur in Bremen und im Saarland höher. Mit längerer Wohndauer steigen die Zuschüsse der Pflegekassen, dadurch sinkt der Eigenanteil im zweiten Jahr auf 3.294 Euro, im dritten Jahr auf 2.911 Euro und beträgt ab dem vierten Jahr 2.432 Euro.
Hauptgrund für die steigenden Eigenanteile seien höhere Personalkosten, erklärte Dirk Ruiss, Leiter der vdek-Landesvertretung NRW. „Faire Bezahlung für das Pflegepersonal ist richtig, aber Lohnsteigerungen dürfen nicht allein die Pflegebedürftigen belasten.“
Pflegekassen: Länder müssen Investitionskosten übernehmen
Darüber hinaus kritisieren Vertreter der Pflegekassen, dass Pflegeheimbewohner auch für Investitions- und Ausbildungskosten aufkommen müssen, die eigentlich in der Verantwortung der Länder lägen. „Wenn die Länder hier ihren Verpflichtungen für den Bau und die Instandhaltung der Heime nachkommen würden, könnte man eine deutliche Entlastung bei den Eigenanteilen erreichen“, sagte die Chefin des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Donnerstag). In NRW zahlen laut vdek Pflegeheimbewohner monatlich im Schnitt 646 Euro für Investitionskosten und 173 Euro für Ausbildungskosten.
Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Lisa Kapteinat, appellierte an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), sich um das Thema zu kümmern: „Mehr Investitionsförderung durch das Land in NRW würde sofort geringere Eigenanteile für Pflegebedürftige bedeuten.“ Auch der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte, die Länder dürften sich „bei ihrer Finanzierungspflicht nicht länger aus der Verantwortung stehlen“, sondern müssten die Ausbildungs- und Investitionskosten vollständig tragen.