Freiwillige gibt‘s nicht umsonst
s:48:"Ehrenamtlerin einer Tafel sortiert Lebensmittel.";
Ehrenamtlerin einer Tafel sortiert Lebensmittel.
Oft fehlt hauptamtliches Personal für eine gute Ehrenamtsbetreuung
München, Münster (epd).

Ehrenamtler zu finden, die verlässlich die eigene Arbeit unterstützen, ist ohnehin oft schwierig. Doch sind interessierte Unterstützer gefunden, fängt die Arbeit eigentlich erst an. Denn Ehrenamtler, ganz gleich, wo sie sich einbringen, brauchen Zeit, sich in die Abläufe der Einrichtung einzufinden. Den Profis, die sie dabei begleiten sollen, fehlt nicht selten die Zeit dazu.

Die nach eigenen Angaben erste bundesweite Freiwilligen-Agentur, die Ehrenamtler vermittelt, nennt sich „Tatendrang“ und sitzt in München. Hier kennt man die Probleme mangelnder hauptamtlicher Ressourcen bei der Integration von Ehrenamtlern. Leiterin Ute Bujara berichtet, dass ihr Team deshalb Freiwillige nur an gemeinnützige Organisationen vermittelt, die Ansprechpartner oder Freiwilligenkoordinatoren haben. Doch auch dort mangele es nicht selten an einer effektiven Unterstützung der Volunteers.

Auf eine gute Einarbeitung kommt es an

Freiwillige im sozialen Bereich werden oft branchenfremd eingesetzt. Gerade dann müssen sie gut eingearbeitet werden. Aufgrund des Fachkräftemangels und der Arbeitsverdichtung bleibt den Profis dazu aber wenig Zeit. Bei „Tatendrang“ heißt es, dass auch Freiwilligenkoordinatoren mitunter im operativen Geschäft mithelfen müssen, zum Beispiel in der Versorgung der Klienten.

Ute Bujara beobachtet außerdem eine hohe Fluktuation und dann lange Vakanzen auf den Stellen. Das sei heikel: Fehle die Betreuung, beendeten manche Ehrenamtliche ihren Einsatz. „Oder neue Interessenten kommen nicht wirklich an“, weil ihnen niemand zeige, was genau sie wann zu tun haben.

Die Ökumenische Wärmestube in Nürnberg geht einen anderen Weg. Seit 40 Jahren rekrutiert die Wärmestube Unterstützer ausschließlich aus den Reihen ihrer Besucher. „10 bis 15 Ehrenamtliche arbeiten regelmäßig mit“, berichtet Leiterin Manuela Bauer. Alle waren oder sind noch wohnungslos - und kennen somit die Situation der täglich rund 170 Besucher.

Wohnungslose oft „im System gefangen“

Mindestens zwei Pädagogen unterstützen die Ehrenamtler, die integraler Bestandteil des Wärmestuben-Konzepts seien. Über das Ehrenamt soll Besuchern die Chance eröffnet werden, ihrer prekären sozialen Situation zu entkommen. Während Wohnungslose Bauer zufolge dieser Tage meist „im System gefangen” blieben, schafften es viele ihrer Volunteers, dieser Falle zu entrinnen: “Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir sie, während sie sich bei uns engagieren, besonders stark fördern."

Am Uniklinikum Münster kümmert sich Nadja Maier zusammen mit einer Kollegin als Freiwilligenkoordinatorin um rund 100 gelistete Ehrenamtliche, von denen 40 im Moment aktiv sind. Während der Corona-Krise wurde das zuvor lose organisierte Ehrenamt in der Uniklinik systematisch ausgebaut. Die Gelder für die Freiwilligenunterstützung stammen laut Maier aus dem Topf des Klinikums: „Eine Ehrenamtskoordination wird vom Vorstand ausdrücklich gewünscht.“

Am Uniklinikum Münster geben Ehrenamtliche regelmäßig Feedback

Freiwillige empfinden ihre Stellung als Ehrenamtliche innerhalb einer sozialen Organisation mitunter als problematisch: Sie haben das Gefühl, nicht auf Augenhöhe behandelt zu werden. Dem wolle man am Klinikium begegnen und lege deshalb großen Wert auf ein gutes Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen.

In einer so großen Institution wie einem Uniklinikum gibt es viele Arbeitsfelder. Einige Volunteers kümmern sich um Frühchen, andere lesen Kindern vor, wieder andere unterstützen den Pfortendienst. Sehr wichtig sei auch der Besuchsdienst für jene Patienten, zu denen nie jemand kommt. Nach jedem Besuch schreiben die Ehrenamtlichen eine Mail an die Koordinatorinnen, in der sie kurz schildern, was sie erlebt haben. Fällt Nadja Maier oder ihrer Kollegin auf, dass etwas Belastendes vorgefallen ist, nehmen sie sofort Kontakt auf, um über das Geschehene zu sprechen.

Caritas wirbt für mehr Koordinatoren

Nicht immer arbeiten Ehren- und Hauptamtliche so einvernehmlich zusammen. Doch das wäre sehr wichtig, heißt es beim Deutschen Caritasverband in Berlin. Es brauche, sagte Pressesprecherin Elke Schänzler dem Evangelischen Pressedienst (epd), die Haltung: „Das schaffen wir gemeinsam.“ Doch dazu seien mehr zeitliche und finanzielle Ressourcen der Proifs nötig.

Warum das so wichtig ist, zeigte 2023 eine Studie des Verbandes. In der heißt es: „Freiwillig Engagierte benötigen mehr fachliche und materielle Unterstützung durch Hauptberufliche, nicht nur von spezialisierten Ehrenamtskoordinatoren, sondern von ihren beruflichen Ansprechpartnern generell“.

Von Pat Christ (epd)