Häufige Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten, fehlende Ansprechpartner: Kritikpunkte, die Auszubildende in Nordrhein-Westfalen auf Nachfrage der DGB-Jugend NRW benannt haben. In dem in Düsseldorf vorgelegten Ausbildungsreport gab ein Drittel (33 Prozent) der rund 2.500 befragten Azubis an, regelmäßig Überstunden machen zu müssen. Ausbildungsfremde Tätigkeiten, wie zum Beispiel Kaffeekochen, Botengänge für den Chef oder Putztätigkeiten, gehören für 15 Prozent der Azubis zum Ausbildungsalltag.
Gut acht Prozent der Befragten haben nach eigenen Angaben keinen Ausbilder, der sie betreut, heißt es in dem Report, für den nach Angaben der DGB-Jugend zwischen September 2024 und April 2025 mehr als 2.500 Auszubildende befragt wurden. Von denjenigen, die einen Ausbilder haben, gaben fast zwölf Prozent an, dass dieser nie oder nur selten präsent ist.
Vielen Azubis fehlt dem Report zufolge eine klare Übernahmeperspektive: 56 Prozent wussten zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht, ob sie von ihrem Betrieb übernommen werden. Auch bei der Ausbildungsvergütung gibt es erhebliche Unterschiede: Während angehende Bankkaufleute rund 1.300 Euro verdienen, ist es bei angehenden Friseurinnen und Friseuren mit 719 Euro nur halb so viel.
Mehrheit der NRW-Ausbildungsbetriebe bietet gute Bedingungen
Die gute Nachricht sei aber, dass von den Betrieben, die in NRW ausbilden, die Mehrheit gute Ausbildungsbedingungen anbietet, erklärte Andreas Jansen, Leiter der DGB-Abteilung Jugend. Sieben von zehn der befragten Azubis (69 Prozent) seien mit ihrer Ausbildung insgesamt sehr zufrieden oder zufrieden. Dennoch falle die Bewertung je nach Ausbildungsberuf sehr unterschiedlich aus. Bei 31 Prozent der Ausbildungsverhältnisse sei noch deutlich „Luft nach oben“, zum Teil gebe es erhebliche Mängel.
Mängel bleiben branchenspezifisch
Es seien „praktisch immer dieselben Branchen, die ihre Hausaufgaben nicht machen“, erklärte Jansen. Das diesjährige Gesamtranking zeige, dass Bankkaufleute, Industriemechaniker und Kaufleute für Büromanagement die Qualität ihrer Ausbildung am besten bewerten. Am unteren Ende befinden sich Kfz-Mechatroniker, Verkäufer und Anlagenmechaniker. „Während 100 Prozent der befragten Bankkaufleute angeben, mit ihrer Ausbildung zufrieden zu sein, trifft dies nur für 59 Prozent der Verkäuferinnen und Verkäufer zu.“
Neben besseren Ausbildungsbedingungen gebe es weitere Stellschrauben auf dem NRW-Ausbildungsmarkt, die dringend gedreht werden müssten. „Derzeit verbleibt jeder fünfte junge Mensch in NRW ohne Berufsabschluss“, mahnte der DGB-Landesvorsitzende Thorben Albrecht. Um das zu ändern, sei eine deutlich höhere Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen und ein funktionierendes Übergangssystem zwischen Schule und Beruf erforderlich.