Stadtmuseum Münster erwirbt bedeutendes Dokument der Aufklärung
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Das Stadtmuseum in Münster (Archivbild)
Münster, Berlin (epd).

Die Kulturstiftung der Länder hat dem Stadtmuseum Münster eine Fördersumme in Höhe von 18.000 Euro bewilligt, um ein bedeutendes Dokument aus der Zeit der Aufklärung ankaufen zu können. Dabei gehe es um das Stammbuch von Marianne von Gallitzin (1769-1823), Tochter der einst im Hochstift Münster einflussreichen Fürstin Amalie von Gallitzin (1748-1806), teilte die Kulturstiftung am Sonntag in Berlin mit. Stammbücher aus der Zeit, die von Frauen geführt wurden, seien äußerst selten.

Das Dokument sei ein einzigartiges Zeugnis des „Münsterischen Kreises“ um Amalie von Gallitzin, der entscheidend zur Verbreitung aufklärerischer Ideen in Münster und zur Erneuerung des Katholizismus beigetragen habe, erklärte die Stiftung. Nach dem Ankauf wolle das Museum auch im Kontext der Autografensammlung von der westfälischen Lyrikerin Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) forschen. So habe es zwischen den Familien Verwandtschaftsbeziehungen gegeben.

„Autografensammlungen“ waren seit der Renaissance beliebt

Bei dem von 1787 bis 1794 geführten Buch handelt es sich demnach um ein seit der Renaissance beliebtes Freundschaftsalbum, eine sogenannte Autografensammlung. Die 41 Einträge, hauptsächlich kurze Widmungen, stammten überwiegend von Persönlichkeiten aus dem Kreis von Amalie von Gallitzin, die damals als „Salonnière“ zahlreiche Intellektuelle und Geistliche um sich sammelte. Die für die Zeit emanzipiert lebende Frau gilt als bedeutende Protagonistin der katholischen Aufklärung im Hochstift Münster, dem damals kirchlich regierten Fürstentum.

Im Stammbuch ihrer Tochter haben sich neben den Dichtern Johann Wolfgang von Goethe und Matthias Claudius unter anderem auch der Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi und Sophie von La Roche verewigt, eine der ersten deutschsprachigen Romanautorinnen. Ebenfalls sind Einträge von westfälischen Adeligen und geistlichen Würdenträgern aus Mainz und Köln zu finden, wie es hieß.

Die preußische Adelige Amalie von Gallitzin gehörte durch Heirat einem russischen Fürstenhaus an. Über eine Studienreise kam sie nach Münster, wo sie sich 1780 mit ihren beiden Kindern niederließ und sie allein erzog.