Münsters Domschatz umfasst mehr als 700 Exponate sakraler Kunst von der Karolinger-Zeit um 800 bis ins 20. Jahrhundert. Besichtigen konnte man ihn bis vor neun Jahren in der Domkammer des St.-Paulus-Doms. Als diese im Juli 2017 wegen baulicher Mängel geschlossen wurde, hat man die Exponate zum Großteil eingelagert. Ab dem 27. August wird der Domschatz im „Paulus“ wieder ausgestellt, einem neu eingerichteten Museum in Münsters Innenstadt.
Für den Standort mitten in der Altstadt hat sich das Domkapitel bewusst entschieden. „Wir wollen zeigen, dass die Kirche mitten in der Welt steht und suchen dazu den Dialog mit der Stadt, ihren Bewohnern und Besuchern“, erklärt Dompropst Hans-Bernd Köppen. Allerdings stehen im neuen Museum statt wie vormals 750 nur noch 400 Quadratmeter zur Verfügung. Das müsse aber kein Nachteil sein, sagt Köppen. „Die Ausstellung wird sich immer wieder verändern, weil wir themenorientiert arbeiten. Es geht uns nicht darum, möglichst viel zu zeigen, sondern einen Ort zu haben, der Impulse gibt.“
Erste Ausstellung über Bistums- und Stadtpatron
Die erste Ausstellung steht unter dem Titel „Ich gehe, aber wohin?“ und setzt sich mit dem heiligen Paulus auseinander, dem Namensgeber von Dom und Museum. Zu den rund 110 gezeigten Objekten gehört das kostbare Pauluskopf-Reliquiar aus dem 11. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um das älteste erhaltene christliche Büstenreliquiar Europas, vergoldet und reich verziert. Weitere bedeutende Kunstschätze aus dem Domschatz sind ein goldenes Reliquienkreuz, eine Reliquienstatuette der heiligen Agnes aus dem 16. Jahrhundert sowie wertvolle Messgewänder und liturgische Geräte.
Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Bistums- und Stadtpatron aus theologischer, kunsthistorischer und zeitgenössischer Sicht. Sie beginnt mit der Apostelgeschichte und Paulus frühen Jahren. Der später Heiliggesprochene stammte aus Tarsos in der heutigen Türkei und gehörte ursprünglich nicht zu den Aposteln. Zu sehen sind dazu ein eindrucksvoller Paulus-Kopf und eine Skulptur des christlichen Märtyrers Stephanus. Paulus hatte dessen Steinigung gebilligt und wirkte als Christenverfolger. Der Wendepunkt in seinem Leben ereignete sich auf dem Weg nach Damaskus, wo er eine Christus-Erscheinung hatte. Daraufhin schloss er sich dessen Bewegung an.
Digitales Tagebuch erzählt von Missionsreisen der frühen Christen
Dieser sogenannte Paulussturz, von dem sich auch die Redewendung „vom Saulus zum Paulus“ ableitet, wurde in der Kunst häufig aufgegriffen. Die Ausstellung zeigt Grafiken und moderne Werke wie ein Lichtobjekt, das das damalige Geschehen in Damaskus sinnlich erfahrbar macht.
Auf mehreren Missionsreisen durch den Mittelmeerraum verkündete Paulus das Christentum. Um seine Wege nachzuvollziehen, hat das Kuratoren-Team ein digitales Reisetagebuch erstellt. Ebenfalls thematisiert wird sein Konflikt mit Petrus und sein Märtyrertod, der der Überlieferung nach in Rom erfolgt sein soll. Ein prächtiger Altarflügel uns dem frühen 17. Jahrhundert zeigt die Szene.
Ältesten Quellen des neuen Testaments und ein Fußballtrikot
Die Paulusbriefe zählen zu den ältesten Quellen des neuen Testaments. Sie wurden oft übersetzt, ausgelegt und dabei auch verändert. Die Komplexität von Überlieferung und Deutung thematisiert die zeitgenössische Künstlerin Katarina Kloppe in ihrer Textilarbeit „Personal Matter A.1“, in der sie Unbekanntem und Leerstellen eine eigene Qualität zuschreibt. Zu den neueren Ausstellungsstücken zählt auch ein Fußballtrikot als Beispiel für moderne Reliquien. Die Ausstellung ist bis zum 30. Mai 2027 zu sehen.
Geplant wurde das Paulusmuseum vom Architekturbüro „P / E / P Architekten + Stadtplaner“. Dessen Chef Jörg Preckel sieht das Gebäude gegenüber der -Stadt- und Marktkirche St. Lamberti als „moderne Interpretation des historischen Stadtbildes“. Zum Komplex gehören auch Wohnungen. Bauherr ist die münstersche Kaufmannsfamilie Lohmann. Die katholische Kirche hat die beiden Museumsetagen gemietet. Kirchensteuer, Stiftungsgelder und ein Förderverein finanzieren den laufenden Betrieb, zu dem freier Eintritt und museumspädagogische Angebote gehören.