"Gustave Courbet - Maler und Rebell" im Museum Folkwang
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Museum Folkwang in Essen zeigt "Ich, Gustave Courbet"
Essener Ausstellung zeigt über 90 Werke des französischen Künstlers
Essen (epd).

Gustave Courbet (1819-1877) gilt als einer der bedeutendsten und ersten Künstler des Realismus in Frankreich. Geboren und aufgewachsen in der ländlichen Region Franche-Comté ging er mit 20 Jahren nach Paris, um sich einen Namen in der Kunstwelt zu erarbeiten. „Courbet hat sehr früh angefangen, sein Image in der Kunstszene von Paris bekannt zu machen“, sagt Sonja Pizonka, eine der Kuratorinnen der neuen Ausstellung „Ich, Gustave Courbet - Maler und Rebell“ im Museum Folkwang, bis zum 8. November zu sehen ist. Dazu habe er vor allem in den 1940er Jahren zahlreiche Selbstporträts gemalt und im Pariser Salon ausgestellt.

Dabei habe er viel experimentiert, ergänzt Co-Kuratorin Anna Brohm. „Er hat sich in verschiedenen Rollen dargestellt, einmal als Mann mit Pfeife, einmal als Liebhaber, einmal als der vor Angst verzweifelte.“ Dabei sei es ihm vor allem um die Selbstvermarktung gegangen, um das Bekanntwerden seines Gesichtes, so Brohm. Die Ausstellung widmet seinen Selbstporträts einen ganzen Raum.

Bilder sollen den Kern der Dinge zeigen

Insgesamt ist die Ausstellung in neun Kapitel unterteilt, die die wichtigsten Lebensstationen und Themen der Werke des Künstlers zeigen, bis hin zu seinen letzten Jahren im Exil in der Schweiz. So hat Courbet nicht nur Selbstporträts, sondern unter anderem auch sehr viele Landschaften aus seiner Heimat sowie Quellen, Fluss- und Seelandschaften gemalt. Dabei habe er sich immer an die Realität gehalten und das gemalt, was er sah, sagt Pizonka. „Es ging ihm darum, den Kern, die Essenz der Dinge zu zeigen.“

„Er stellt Quellen, Flüsse und Seenlandschaften mit viel plastischeren Malweisen dar, als es damals üblich war“, sagt Brohm. Denn zu dieser Zeit waren in der Landschafts- und Historienmalerei eher dünne Pinselstriche modern. Seine Bilder und sein Malstil hatten laut Brohm und Pizonka einen großen Einfluss auf andere Künstler. In der Ausstellung zeigen das Zitate, die über Courbets Bildern an der Wand stehen, wie etwa von Émile Zola aus dem Jahr 1878: „Courbet hat ganz einfach eine Welle gemalt, eine echte Welle, die sich an der Küste bricht.“ Durch Courbets Maltechnik, einem dicken Farbauftrag und der Arbeit mit Spachteln bekommen die Landschaften, Wellen und anderen Motive eine Dynamik, die auch Paul Cézanne inspiriert hat, der ebenfalls in der Ausstellung zitiert wird.

Courbets Malerei als Form des Widerstandes

Doch Courbet war nicht nur Landschaftsmaler und Selbstvermarkter. Die Ausstellung zeigt auch seine gesellschaftskritischen und zum Teil skandalösen Werke. Courbet sah nach Ansicht der Kuratorinnen seine Malerei als eine Art des Widerstandes. Er wollte die soziale Realität so darstellen, wie sie war. Das zeigen Bilder, mit denen er einen Blick auf die einfachen Menschen und auf Szenen des Alltags richtet, wie eins seiner bekanntesten Werke „L'Après-dinée à Ornans“ (Nach dem Abendessen in Ornans).

Das 2,3 mal 3 Meter große Bild zeigt drei Männer, darunter seinen Vater. Laut Pizonka war dieses Bild eines seiner erfolgreichsten zur damaligen Zeit, auch wegen seines ungewöhnlich großen Formats. „Es ist ein Gemälde mit großer Präsenz. Wir sind wirklich nur Beobachter einer Szene, die Personen drehen uns sogar zum Teil den Rücken zu.“ Es sei wie eine Momentaufnahme, eine Szene, die aus dem Leben gegriffen sei.

Erst in jüngerer Zeit zu großer Bekanntheit gekommen ist das Bild mit dem Titel „L’Origine du monde“ (Der Ursprung der Welt). Es wird zum ersten Mal in Deutschland ausgestellt und zeigt den Unterleib und die Geschlechtsteile einer Frau. Dieses Bild sei eine Auftragsarbeit eines Kunstsammlers gewesen, erzählt Brohm. „Das Bild war damals nicht bekannt, da es nur Einzelpersonen zugänglich war. Es war bis in die 1990er Jahre im Privatbesitz und wurde Ende der 1980er Jahre zum ersten Mal öffentlich gezeigt.“

Leihgaben aus internationalen Museen

Insgesamt präsentiert die große Courbet-Retrospektive auf rund 900 Quadratmetern mehr als 90 Werke aus allen Schaffensphasen des französischen Künstlers, darunter zahlreiche Leihgaben aus internationalen Museen wie dem Musée d’Orsay in Paris oder dem Metropolitan Museum of Art New York. Ergänzt wird die Schau durch Zeichnungen des Künstlers sowie eine konzentrierte Auswahl an historischen Fotografien und Zeitdokumenten.

Von Nadia Gering (epd)