Ein Magier des Lichts: Maler und Bildhauer Heinz Mack wird 95
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Heinz Mack im Jahr 2021
Düsseldorf (epd).

Es funkelt, glitzert und reflektiert: Heinz Macks Skulpturen bestehen zu einem guten Teil aus Licht. Es wird von drehenden Stahlstelen zurückgeworfen, wandert in Punkten über Flächen oder leuchtet im Dunkeln auf fluoreszierenden Elementen. Mit seiner Lichtkunst gehört Mack zu den großen Erneuerern der deutschen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei schuf er ein umfangreiches Werk, das neben Skulpturen sowie kinetischen Installationen aus den unterschiedlichsten Materialien auch Fotografie und Malerei umfasst. Am 8. März wird Mack 95 Jahre alt. Auch heute gilt seine Kunst als aktuell.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters arbeitet er noch täglich in seinem Atelier in Mönchengladbach. Seine Werke werden nach wie vor international in Gruppenausstellungen, Galerien und Museen gezeigt. Immer wieder hat Mack große Einzelausstellungen. Die Bundeskunsthalle in Bonn ehrte ihn bereits 2011 mit einer Retrospektive zum 80. Geburtstag. Zuletzt hatte er eine Werkschau im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe, wo seine Lichtskulpturen bis zum Frühjahr 2024 zu sehen waren.

„Viele meiner Arbeiten sind Instrumente, auf die das Licht reagiert, oder Instrumente, die das Licht sichtbar machen“, erklärte Mack anlässlich der ZKM-Schau. Seine Skulpturen wirken leicht und vibrierend, obwohl sie meist aus schwerem Material wie Stahl oder sogar auch aus Stein bestehen.

Gruppe „Zero“: Stunde Null der Kunst

Mack wird 1931 im hessischen Lollar geboren. 1950 kommt er an die Düsseldorfer Kunstakademie und durchläuft zunächst erfolgreich eine traditionelle künstlerische Ausbildung, wie er sich erinnert. Aber er habe auch eine Antwort darauf gesucht, was in der NS-Zeit in der Kunst passiert sei, sagte Mack dem Kunsthistoriker Robert Fleck, der im vergangenen Jahr ein Buch über Macks Leben und Werk herausgebracht hat (Mack en face, Hirmer Verlag).

Die Professoren an der Kunstakademie schweigen größtenteils zur NS-Vergangenheit. Mack ist empört und entscheidet: „Ich will das alles vergessen, nichts mehr damit zu tun haben, ich muss noch einmal ganz von vorn anfangen.“ 1957 gründet er zusammen mit Otto Piene (1928-2014) die Gruppe „Zero“, der sich 1961 auch Günther Uecker (1930-2025) anschließt. Die Künstler wollen eine „Stunde Null“ der Kunst und werfen traditionelle Verfahrensweisen der europäischen Malerei über Bord. An die Stelle des starren Bildes treten Bewegung und Licht.

Land-Art in der gleißenden Sonne der Sahara und im Eis der Arktis

Mack macht die Natur zum Schauplatz seiner Arbeit und wird damit zu einem Vorreiter der Land-Art. Für seine „Sahara-Projekte“ schafft er ab 1962 in der algerischen Wüste mehrfach Installationen aus Metallstelen, Spiegeln, silberfarbenen Segeln oder Fahnen, die in der gleißenden Sonne flimmern. 1968 entsteht dann in der tunesischen Wüste der viel beachtete Film „Tele-Mack“ im Auftrag des WDR und des Saarländischen Rundfunks. Darin läuft Mack in einem silberfarbenen Anzug, der an einen Astronauten erinnert, durch eine mondartige Sandlandschaft. Tatsächlich betritt nur acht Monate später erstmals ein Mensch den Mond.

1976 setzt Mack seine künstlerischen Experimente in der Landschaft fort, unter anderem mit einer Expedition in die Arktis. In den Eislandschaften der Baffin Bay platziert er schwimmende Plexiglaskörper, Lichtblumen, Licht-Pyramiden, Eiskristalle und ein Feuer-Floß.

Macks Werk scheint mit seiner Bildsprache häufig spätere Entwicklungen und Themen vorwegzunehmen, etwa die Mondraumfahrt, die Bedrohung der Arktis oder die Solarenergie. „Es gibt Dinge, die ich spontan ausgeführt oder prophezeit habe, die sich in den Zero-Jahren überhaupt nicht erfüllten, aber heute hochaktuell sind“, sagt Mack im Gespräch mit Fleck. So gebe es etwa heute in der Wüste spiegelnde Solarzellen-Anlagen.

„Lebende Legende“ für jüngere Künstler

Mack ist international erfolgreich. Er nimmt 1959 und 1964 an der documenta in Kassel teil. 1970 vertritt er Deutschland auf der Biennale in Venedig. „Zero“ löst sich 1966 auf, nachdem sich Mack, Piene und Uecker mit ihrem neuen Kunst-Konzept etabliert hatten.

Seit Anfang der 1990er Jahre greift Mack auch wieder zum Pinsel: Es entstehen Gemälde mit leuchtend farbigen Flächen. Auch in der Malerei spielt das Licht für den Künstler die entscheidende Rolle. „Meine 'Chromatischen Konstellationen' zeigen die Farbe als Licht und das Licht als Farbe“, erklärt er.

Die Zukunft seines Werks hat Mack abgesichert. 2024 gründete er eine Stiftung, die über Hunderte seiner Arbeiten verfügt und zudem die Erforschung seines Werks fördert. Seine Kunst gilt als prägend. „Heinz Mack ist zumindest für die jüngere künstlerische Generation eine lebende Legende geworden“, konstatiert Fleck, der an der Kunstakademie in Düsseldorf lehrt.

Von Claudia Rometsch (epd)