Weniger Spenden für Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat
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Klingelbeutel
Overbeck und Maier kritisieren Politik der USA
Essen (epd).

Das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat hat im Geschäftsjahr 2025 weniger Spenden eingenommen. Trotzdem sei die Organisation ein „nachhaltig verlässlicher Partner“ an der Seite der bedürftigen Menschen geblieben, sagte der Adveniat-Vorsitzende Bischof Franz-Josef Overbeck bei der Vorstellung der Bilanz am Montag in Essen. Im Geschäftsjahr 2025 sind Overbeck zufolge mehr als 800 Projekte in Lateinamerika und der Karibik mit zusammen 30,6 Millionen Euro gefördert worden. Die Spenden seien im Vergleich zum Vorjahr um etwa drei Millionen auf 34 Millionen Euro gesunken.

Adveniat-Geschäftsführerin Tanja Himer sagte, der Rückgang sei „überwiegend durch Einmaleffekte“ zu erklären. So hätten sich etwa die Erträge aus Wertpapieren um eine Million Euro verringert. Das Adveniat-Geschäftsjahr geht vom 1. Oktober bis zum 30. September.

Adveniat-Weihnachtsaktion thematisiert Gewalt gegen Frauen

Trotz einer sinkenden Zahl an Weihnachtsgottesdiensten mit insgesamt weniger Besuchern habe die Weihnachtskollekte für das Hilfswerk der katholischen Bischöfe bei mehr als 13,7 Millionen Euro gelegen, erläuterte Himer. Dies sind etwa 700.000 Euro weniger als im Vorjahr. Ein Plus gab es laut der Geschäftsführerin bei den Einnahmen aus Erbschaften, die auf drei Millionen Euro gestiegen seien.

In der diesjährigen bundesweiten Weihnachtsaktion will Adveniat den Angaben zufolge das Thema Gewalt gegen Frauen in den Mittelpunkt rücken. Frauen erlitten „allein aufgrund ihres Frauseins Ausgrenzung, massive Gewalt bis hin zu Ermordungen“, erklärte Bischof Overbeck. In den vom „Machismo“, männlichem Dominanzgehabe, geprägten Gesellschaften Lateinamerikas seien Femizide, also Morde an Frauen aufgrund ihres Geschlechts, „grausamer Alltag“, betonte Overbeck. Die Weihnachtsaktion unter dem Motto „Mut-Macherin. Frauen stärken. Hoffnung schenken“ beginnt am 1. Advent im Erzbistum München und Freising

Hilfswerk kritisiert Lateinamerika-Politik der USA

Bischof Overbeck wie auch Adveniat-Hauptgeschäftsführer Martin Maier kritisierten bei der Vorstellung des Adveniat-Jahresberichts die Politik der US-Regierung. Overbeck sprach von einem entwicklungspolitischen „Kahlschlag“ von US-Präsident Donald Trump, der für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik „existenzielle Folgen“ habe. Maier sagte, die Menschen litten unter „dem neuen US-Imperialismus“. Als Beispiele nannte er unter anderem die Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro Anfang dieses Jahres und die „außergerichtlichen Hinrichtungen von Menschen in vermeintlichen Drogenbooten“ in der Karibik.

Pater Maier äußerte den Verdacht, Ziel des US-Vorgehens in Venezuela seien gar nicht das Land selbst und seine notleidende Bevölkerung gewesen, sondern „der von US-Außenminister Marco Rubio immer wieder angedeutete“ Regimewechsel in Kuba. Die fehlenden Öllieferungen aus Venezuela ließen dort „die Lichter ausgehen“. Unter dem Zusammenbruch der Energieversorgung leide die arme Bevölkerungsmehrheit am meisten, betonte der Hauptgeschäftsführer. Adveniat stehe an ihrer Seite, unabhängig von der politischen Ausrichtung des Regimes.

Von Thomas Krüger (epd)