Relevant für die Menschen, flexibel und effizient: So will die Evangelische Kirche im Rheinland in Zukunft aufgestellt sein. Bis 2030 soll deshalb der Haushalt saniert und die kirchliche Arbeit an vielen Stellen umgebaut, verschlankt oder ganz aufgegeben werden. Die Synode der mit über zwei Millionen Mitgliedern zweitgrößten deutschen Landeskirche muss in den kommenden Tagen über ein Sparpaket von rund 33 Millionen Euro entscheiden, gut ein Fünftel des landeskirchlichen Haushalts.
Das umfangreiche Maßnahmenbündel sieht Einschnitte in fast allen Bereichen wie Bildung, geistliche Angebote, weltweite Ökumene oder Diakonie vor. 235 Seiten umfasst die Synodenvorlage zur „Finanzstrategie für die Kirche der Zukunft“. Sie enthält auch Stellungnahmen der betroffenen Einrichtungen, die zumeist ein Überdenken der Pläne erbitten, und Protokolle von Ausschusssitzungen. Entscheiden muss über die Vorschläge und Prioritäten das Kirchenparlament, die Landessynode, die in Bonn bis zum 21. Januar tagt.
Zu den Hauptbetroffenen gehören die Evangelischen Studierendengemeinden (ESGn) an den neun Standorten Aachen, Bonn, Düsseldorf, Duisburg-Essen, Köln, Koblenz, Trier, Saarbrücken und Wuppertal. Sie sollen auf Ebene der jeweiligen Kirchenkreise zu „Gemeinden junger Erwachsener“ weiterentwickelt werden, denen auch Nichtakademiker angehören können. Die Landeskirche will die Trägerschaft aufgeben, die neuen Gemeindeformen aber dauerhaft finanziell unterstützen. Die Maßnahme soll zusammen mit einem Ausstieg aus der Beratung ausländischer Studierender gut 2,4 Millionen Euro einsparen.
Eine Aufgabe der sechs Studierendenwohnheime in landeskirchlicher Trägerschaft in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln und Saarbrücken soll eine weitere Kostenersparnis von 320.000 Euro bringen. „Der Betrieb von Wohnheimen ist keine genuin kirchliche Aufgabe, sondern eine staatliche“, heißt es in der Vorlage. Eine Übertragung auf andere Träger sei zu prüfen.
Die Pläne stoßen auf deutliche Kritik bei Studierenden und ihren Unterstützern, auch Abgeordnete von Grünen und CDU meldeten sich zu Wort. Zum Auftakt der Landessynode wollen Studierende am Freitag vor der Kreuzkirche in Bonn demonstrieren und eine Petition mit über 5.500 Unterschriften an Präses Thorsten Latzel überreichen, den leitenden Theologen der rheinischen Kirche. Darin werden der Erhalt der ESGn und die Sicherung bezahlbaren studentischen Wohnraums gefordert. Die Studierenden stellten sich nicht gegen die nötige Transformation, wollten aber daran beteiligt werden, sagte die Initiatorin der Petition, Michaela Richter, dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Widerstand regt sich auch gegen eine Schließung des „Hauses der Stille“ im rheinland-pfälzischen Rengsdorf, über 4.800 Menschen unterzeichneten eine entsprechende Petition. Die Landeskirche will ab 2029 nur noch Personal für geistliche Begleitung bezahlen, in die Immobilie sollen dann keine Kirchensteuermittel mehr fließen - das Sparvolumen wird mit 420.000 Euro beziffert. Ein Freundeskreis will sich um den Erhalt des Hauses bemühen.
Eine finanzielle Entlastung von 2,2 Millionen Euro bis 2030 soll die Einführung einkommensabhängiger Elternbeiträge an den zehn landeskirchlich getragenen Schulen ab dem Schuljahr 2027/28 bringen, die Übernahme der Versorgungslasten für Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz spart weitere 1,4 Millionen Euro. Ebenfalls 1,4 Millionen Euro Kostenentlastung werden durch die bereits beschlossene Umwandlung der Kirchlichen Hochschule Wuppertal in einen Bildungscampus erwartet.
Aufgeben will die Landeskirche bis 2030 einen mit einer Million Euro dotierten Arbeitslosenfonds, für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gebe es staatliche Programme. Aussteigen will man auch aus dem Trägerverein der Evangelischen Akademie für Land und Jugend in Altenkirchen im Westerwald, die Arbeit soll mittelfristig auf Ebene der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgerichtet werden.
Pauschal um 20 Prozent reduziert werden sollen laut Vorlage schrittweise die Globalzuschüsse für die Kirchengemeinschaft Vereinte Evangelische Mission (VEM), die bis 2036 über 700.000 Euro einsparen würde, und für das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) - mit dem allerdings verhandelt werden muss.
Zu den größten Sparposten zählen Entlastungen, die bereits umgesetzt werden. So wird der Anteil der rheinischen Kirche am Finanzausgleich zwischen den EKD-Kirchen nach Verhandlungen reduziert, das bringt fast neun Millionen Euro. Auch die demografische Entwicklung hilft Kosten senken, allein beim Probedienst von Pfarrerinnen und Pfarrern wird mit 2,5 Millionen Euro kalkuliert.
Neben zahlreichen weiteren Sparposten sieht die Finanzstrategie auch vor, grundlegende Strukturen der rheinischen Kirche wie das Landeskirchenamt und die Landessynode auf den Prüfstand zu stellen. Ziel sei eine „zukunftsfähige, verschlankte Gestalt“ der Landeskirche.