Theologe mit Haltung: Sachsens ehemaliger Bischof Bohl gestorben
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Früherer Landesbischof Jochen Bohl im Jahr 2014
Dresden, Bielefeld (epd).

Der frühere sächsische Landesbischof und stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende Jochen Bohl ist tot. Der gebürtige Westfale starb nach langer, schwerer Krankheit am 29. Juli in Radebeul bei Dresden im Alter von 76 Jahren, wie die Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens in Dresden unter Berufung auf seine Familie mitteilte. Bohl stand von 2004 bis 2015 an der Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

Von 2010 bis 2015 war er auch stellvertretender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und von 2007 bis 2009 stellvertretender Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Höhepunkte seiner Amtszeit waren die Wiedereinweihung der Dresdner Frauenkirche 2005 und der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag 2011 in Dresden, den er als Bischof der gastgebenden Landeskirche begleitete.

Westfälische Wurzeln

Bohl wurde am 19. April 1950 in Lüdenscheid geboren und studierte von 1968 bis 1974 Evangelische Theologie in Wuppertal, Marburg und Bochum. Sein Erstes und Zweites Theologisches Examen legte er in der Evangelischen Kirche von Westfalen ab. Er war von 1974 bis 1976 Vikar in Brüninghausen bei Lüdenscheid und von 1978 bis 1986 Pfarrer in Aplerbeck im Kirchenkreis Dortmund-Süd. Bevor er nach Sachsen kam, leitete er neun Jahre lang das Evangelische Jugendwerk an der Saar.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) würdigte Bohl als prägenden Geistlichen, der Kirche, Politik und Gesellschaft zusammengebracht habe: „Er war nicht nur ein Seelsorger, sondern auch ein politisch wacher Geist, der ethische Maßstäbe setzte und gesellschaftliche Debatten beeinflusste“ erklärte Kretschmer im Online-Netzwerk X.

Theologe mit Prägekraft

Die sächsische Landeskirche nannte Bohl einen „Theologen mit großem Gestaltungswillen“. Ihm sei es wichtig gewesen, gerade in einer von der SED-Diktatur und der Säkularisierung geprägten Gesellschaft die Kirche und ihre Dienste als wichtigen Teil des Gemeinwesens ins Bewusstsein zu heben, erklärte Sachsens Landesbischof Tobias Bilz. „Jochen Bohl war meinungsstark, und er hatte Prägekraft.“

Die Theologische Vizepräsidentin der westfälischen Landeskirche, Susanne Falcke, hob Bohls Wirken als Vikar und Pfarrer in Westfalen hervor. „Wir trauern um einen Menschen, der die evangelische Kirche mitgeprägt hat“, erklärte Falcke. „Als jemand, für den es keinen Stillstand gab, lag ihm die Weiterentwicklung von Kirche stets am Herzen.“

Experte für soziale Fragen

Der Leitende Bischof der VELKD, Landesbischof Ralf Meister aus Hannover, erklärte: „Jochen Bohl übte seinen Dienst mit geistlicher Kraft, theologischer Klarheit und einem Blick für die Vielfalt innerhalb der Kirche aus.“ Auch in bewegten Zeiten habe er „einen klaren Kurs gehalten und die gesamtkirchliche Perspektive nie aus dem Blick verloren“.

Der katholische Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, lobte Bohls Engagement für die Ökumene: „Dankbar erinnern wir uns an seine vertrauensvolle Verbundenheit und das geschwisterliche Miteinander im Dienst an den Menschen.“

Bohl galt als Experte für diakonische und sozialpolitische Themen. Vor seiner Zeit als Bischof war er neun Jahre lang Direktor der Diakonie Sachsen. Er sei deren „soziale Stimme“ auch außerhalb der Kirche gewesen und habe seine Expertise weit über Sachsen hinaus auch auf Bundesebene eingebracht, erklärte die sächsische Landeskirche. Sein Engagement sei stets von der Überzeugung getragen gewesen, „dass Kirche und Diakonie dort handeln müssen, wo Menschen Unterstützung und eine starke Fürsprecherin brauchen“.

Von Katharina Rögner und Ingo Lehnick (epd)