Sexualisierte Gewalt: Weitere Kirchenkreise starten Aktenscreening
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Themenfoto Missbrauch in der Kirche
Ratingen, Velbert (epd).

Die Evangelischen Kirchenkreise Düsseldorf-Mettmann und Niederberg haben eine umfassende Sichtung sämtlicher Personalakten aus den vergangenen Jahrzehnten gestartet, um nach Hinweisen auf sexualisierte Gewalt zu suchen. Mit dem Aktenscreening sei ein externes, unabhängiges Team aus erfahrenen Fachleuten und ehemaligen Kriminalbeamten beauftragt worden, erläuterten die Superintendenten Wolfhard Günther und Rainer Kaspers. Dieses Team habe im vergangenen Jahr bereits die Aktensichtung im Evangelischen Kirchenkreis Solingen realisiert und dort mehrere Verdachtsfälle identifiziert.

Die Prüfung solle auch verdeckte oder nur indirekt dokumentierte Verdachtsmomente sichtbar machen, etwa ungewöhnliche Versetzungen, Beschwerden oder auffällige Personalwechsel, hieß es. Wenn sich ein Verdacht erhärte, würden die Unterlagen an das Landeskirchenamt weitergeleitet, das die Fälle der zuständigen Staatsanwaltschaft zur Prüfung vorlegt.

Unrecht offen benennen und aufarbeiten

„Mit der Sichtung unserer Personalakten stellen wir uns unserer Verantwortung für das, was in unseren Kirchenkreisen geschehen ist“, betonte Kaspers, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann. „Nur eine Kirche, die Unrecht offen benennt und aufarbeitet, kann ein glaubwürdiger und sicherer Ort für Menschen sein“, ergänzte Günther, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Niederberg. Es gehe darum, Betroffenen Anerkennung ihres Leids zu verschaffen, Strukturen zu benennen, die Missbrauch ermöglicht oder begünstigt haben, und daraus konkrete Konsequenzen für Prävention und Personalverantwortung zu ziehen.

Betroffene sowie Zeuginnen und Zeugen von sexualisierter oder anderer Gewalt in Kirchengemeinden, Verwaltungen, Einrichtungen und Diensten der Kirchenkreise Düsseldorf-Mettmann und Niederberg sind ausdrücklich aufgerufen, sich zu melden, unabhängig davon, wie lange die Ereignisse zurückliegen. Meldungen würden vertraulich behandelt, hieß es. Die Vertrauensperson beider Kirchenkreise, Sonja-Christine Neuroth, ist unter Telefon 0157/83988604 oder per Mail an sonja_christine.neuroth@ekir.de zu erreichen.