Die evangelischen Landeskirchen in Rheinland und Westfalen bieten eine neue unabhängige externe Anlaufstelle für Opfer von sexualisierter Gewalt an, die sich im kirchlichen Umfeld zugetragen hat. Dazu kooperieren die rheinische und die westfälische Kirche mit dem Verein „Wildwasser Bielefeld“, wie die Landeskirchenämter in Düsseldorf und Bielefeld mitteilten. Damit sollten weitere Hürden abgebaut werden. So falle es vielen Betroffenen schwer, sich an Mitarbeitende der Kirche zu wenden, wenn die Taten einst im kirchlichen Kontext geschehen seien, hieß es.
Der Verein „Wildwasser Bielefeld“ ist den Angaben zufolge im Jahr 1991 aus einer Selbsthilfegruppe entstanden und unterstützt Menschen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Neben persönlicher Beratung vor Ort, am Telefon und online bietet der Verein auch Unterstützung in themenorientierten Gruppen, Supervision und fachspezifische Tagungen und Fortbildungen an.
Ansprechstelle arbeitet auf unabhängiger Basis
„Wir haben eine qualifizierte kirchliche Ansprechstelle für sexualisierte Gewalt“, sagte die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Antje Menn. Gleichzeitig sei es wichtig, durch die Kooperation mit dem unabhängig arbeitenden Bielefelder Verein eine externe Stelle zu schaffen. „Diese bietet vor allem Menschen, die aufgrund eigener Erfahrungen oder aus anderen Gründen das Vertrauen in unsere Kirche verloren haben, einen niedrigschwelligeren neutralen Ort, an dem sie sich sicherer fühlen können“, erklärte die Beauftragte der rheinischen Kirchenleitung für den Themenbereich sexualisierte Gewalt.
Der Theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, Ulf Schlüter, sieht in dem neuen Angebot einen Schritt zu einer konsequenten Betroffenenorientierung. „Wir müssen die Perspektive von Betroffenen immer vorrangig berücksichtigen“, betonte er. Dazu gehöre es auch, eventuelle Vorbehalte gegenüber kirchlichen Institutionen ernst zu nehmen und entsprechend Wege für den Austausch mit unabhängigen Ansprechpersonen zu ermöglichen.