Feiern in schwierigen Zeiten: Kölner Erzbischof Woelki wird 70
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Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki
Köln (epd).

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wird am kommenden Dienstag (18. August) 70 Jahre alt. Der 1985 zum Priester geweihte römisch-katholische Theologe ist seit knapp zwölf Jahren der 95. Erzbischof von Köln. Seine Amtszeit ist überschattet von Kritik an seinem Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt in der Priesterschaft.

Das Erzbistum Köln, in das Woelki als Erzbischof 2014 nach seiner Zeit als Erzbischof von Berlin zurückkehrte, war ihm von vorangegangenen Tätigkeiten vertraut. Von 1990 bis 1997 war der gebürtige Kölner als Kaplan und Geheimsekretär des Kölner Erzbischofs und Kardinals Joachim Meisner tätig. Anschließend übernahm Woelki bis 2003 die Leitung des erzbischöflichen Theologenkonvikts Collegium Albertinum in Bonn. Am 30. März 2003 folgte die Bischofsweihe. Als Weihbischof war er in Köln für den Pastoralbezirk Nord zuständig. Als residierender Domkapitular war Woelki auch für die Gestaltung von Domgottesdiensten und die Verwaltung des Domvermögens verantwortlich.

Vom Rhein an die Spree und zurück

2011 wechselte Woelki mit der Ernennung zum Erzbischof von Berlin in die Hauptstadt. Im Jahr darauf folgte die Verleihung der Kardinalswürde. In Berlin engagierte er sich für Flüchtlinge und berief Frauen in leitende Funktionen, unter ihnen Ulrike Kostka als Direktorin des Diözesan-Caritasverbandes. An sein Engagement für die kirchliche Flüchtlingshilfe knüpfte Woelki 2014 mit seiner Rückkehr in das Erzbistum Köln an und rief dort die „Aktion Neue Nachbarn“ ins Leben. Seitdem floss insgesamt ein zweistelliger Millionenbetrag in Projekte von Gemeinden und Caritas.

Missbrauchsaufarbeitung überschattet

Im Zuge einer bundesweiten Aufarbeitungsbewegung von sexuellem und physischem Missbrauch in der katholischen Kirche, initiiert 2010 durch den damaligen Rektor des Jesuitengymnasiums Canisius-Kolleg Berlin, kündigte Woelki 2018 an, zur Aufarbeitung im Erzbistum Köln beitragen zu wollen. Doch dieser Prozess, der mit Woelkis Beauftragung eines juristischen Gutachtens startete, ist überschattet von Kommunikationsfehlern, Vertrauensverlust und juristischen Auseinandersetzungen.

Kritik erfuhr der Erzbischof im Jahr 2020 auf seine kurzfristige Ankündigung, die Erkenntnisse des Gutachtens wegen juristischer Mängel unter Verschluss zu halten und ein neues Gutachten zu beauftragen. Auch ein Jahr später kehrte mit der Veröffentlichung dieses Gutachtens sowie dann auch des ersten Gutachtens keine Ruhe ein.

Streit um Umgang mit einzelnen Personalien

Zwar wurden Woelki von den Gutachtern keine Pflichtverletzungen im Amt nachgewiesen. Doch in Medienberichten ging es darum, ob wider besseres Wissen in Einzelfällen Beförderungen vorgenommen oder Informationen zurückgehalten wurden. Woelki wehrte sich in presserechtlichen Verfahren erfolgreich gegen diese Darstellungen. Zwischenzeitlich ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Woelki wegen des Verdachts der Falschaussage und des Meineids. Woelki akzeptierte eine Geldauflage, das Verfahren wurde eingestellt. In diesem Frühjahr bewertete die Unabhängige Aufarbeitungskommission des Erzbistums in einem Zwischenbericht das Vorgehen Woelkis in einem Altfall rückblickend kritisch.

Auch der Umbau der Diözesanverwaltung, die Neuaufstellung des kirchlichen Multimediasenders domradio.de und Pläne, die Priesterausbildung weg von den Universitäten an die Kölner Hochschule für Katholische Theologie zu verlegen, sorgten für Kritik. Beim „Synodalen Weg“ hat Woelki eine konservative Linie vertreten, etwa gegen die Ordination von Frauen. Der deutsche Reformdialog, dessen Ergebnisse nun in Rom liegen, war 2019 zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Laienorganisation vereinbart worden.

Erstes Rücktrittsgesuch unbeantwortet

Im Herbst 2021 hatte Papst Franziskus Woelki in eine „geistliche Auszeit“ geschickt. Im März 2022 nahm Woelki seine Amtsgeschäfte wieder auf und reichte zugleich ein Rücktrittsgesuch ein, das bis zum Tod des Papstes 2025 unbeantwortet blieb. In den kommenden fünf Jahren dürfte sich Woelki erneut darüber Gedanken machen. Üblicherweise bieten Bischöfe zum 75. Geburtstag ihren Rücktritt an. Dann wird sich voraussichtlich Papst Leo XIV. damit befassen.

Von Gabriele Fritz (epd)