Diakonie erprobt "Begegnungslotsen" für mehr Teilhabe von Senioren
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Hauptaufgabe der künftigen Freiwilligendienstler "60plus" solle es sein, mit Gleichaltrigen ins Gespräch zu kommen zum Beispiel bei einem "offenen Tisch" im Café.
Düsseldorf (epd).

Mit einem Modellprojekt will die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe mehr Menschen über 60 für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) gewinnen. „Als sogenannte Begegnungslotsen sollen sie Senioren mit ähnlichen Interessen zusammenbringen und ihnen den Zugang zu Gruppen erleichtern“, sagte Diakonie-Referent Christian Carls in Düsseldorf dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bei vielen sei der BFD als Rahmen für freiwilliges Engagement von Älteren gar nicht im Blick - von den rund 33.000 Bundesfreiwilligendienstlern sind nach Zahlen des zuständigen Bundesamts lediglich 1,6 Prozent über 65 Jahre alt.

Seit der Corona-Pandemie hat die Diakonie laut Carls verstärkt die Einsamkeit unter älteren Menschen im Fokus ihrer Arbeit. Es gebe viele Treffpunkte und Begegnungsangebote von Kirchen, Sozialverbänden oder Vereinen. „Woran es häufig noch fehlt, ist eine zugehende Arbeit“, moniert der Leiter des Projektes „Neuer Rahmen für Engagement im Alter“ (Real). Eine offene Tür sei eben noch kein leichter Zugang - an dieser Hürde sollten die Begegnungslotsen ansetzen.

Freiwillige sollen in den „offenen Raum“ des Viertels gehen

Im Oktober startet der bis Ende 2028 laufende Versuch in Düsseldorf und Ratingen. Die Diakonie sucht den Angaben zufolge zunächst zwölf Lotsinnen und Lotsen, die jeweils zu zweit von ihren Einsatzorten aus in die Stadtteile wirken sollen. Eingebunden sind sie in vier „zentren plus“ der Diakonie Düsseldorf sowie in Ratingen im „Forum.Lotsenpunkt“ in katholischer Trägerschaft und im Altenzentrum „Haus Salem Lintorf“ der Kaiserswerther Diakonie.

Hauptaufgabe der künftigen Freiwilligendienstler „60plus“ solle es sein, aus den Zentren hinauszugehen und im „offenen Raum“ eines Viertels mit Gleichaltrigen ins Gespräch zu kommen, erläutert Carls vom Zentrum Freiwilligendienste der Diakonie. Das könne etwa am Infostand auf dem Marktplatz sein, in der Arztpraxis, der Stadtteilbibliothek oder auch bei einem „offenen Tisch“ im Café. Auch in vorhandenen Seniorengruppen sollten sich die Lotsen bekannt machen. „Menschen, die schon irgendwo angebunden sind, suchen mitunter noch etwas Neues oder Anderes“, sagt der Projektleiter.

Interessen und Wünsche der Senioren hören

Besondere Vorqualifikationen brauchen die Begegnungslotsen demnach nicht. Als wichtigstes Talent nennt Carls die Kraft, im Gespräch zuhören und die Interessen und Wünsche der Senioren anhören zu können. Die Diakonie möchte mit dem Projekt nicht nur die Rolle von Begegnungslotsen im Stadtteil erproben, sondern den Bundesfreiwilligendienst stärker als Format für Engagement von Ruheständlern erschließen, erklärt der Referent.

epd-Gespräch: Thomas Krüger