Welthungerhilfe: Humanitäre Lage in Afghanistan "dramatisch"
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Eine Frau mit ihren Kindern auf den Straßen von Kabul (Foto vom 17.10.2021). Mit den Taliban habe sich die Lage noch einmal extrem verschlechtert.
Bonn, Berlin (epd).

Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan pocht die Welthungerhilfe auf langfristige Unterstützung für die Menschen in dem Land. Während die internationale Finanzierung der humanitären Hilfe weiter zurückgehe, litten 17,4 Millionen Menschen in Afghanistan unter akutem Hunger, erklärte die Deutsche Welthungerhilfe in Bonn. Rund 22 Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, etwa die Hälfte der Bevölkerung. Diese „dramatische humanitäre Lage“ gerate zunehmend aus dem Blick der Öffentlichkeit.

Der Hunger sei nicht nur auf fehlende Lebensmittel zurückzuführen, erklärte Jaclyn Dolski, Programmdirektorin der Welthungerhilfe in Afghanistan. „Familien verlieren zunehmend die Möglichkeiten, ein Einkommen zu erzielen und sich selbst zu versorgen“. Zudem wachse die Bevölkerung durch Millionen zurückkehrende Menschen rasant. Seit 2023 seien sechs Millionen Menschen aus anderen Ländern wie etwa Iran und Pakistan nach Afghanistan zurückgekommen, teils unter Zwang. Die schwache Wirtschaft biete allerdings kaum Arbeitsplätze.

Frauen und Mädchen besonders betroffen

„Diese Krisen verstärken sich gegenseitig und treiben immer mehr Familien in Armut und Hunger“, warnte Dolski. Dürren, Überschwemmungen und andere Folgen der Klimakrise würden die Lage zusätzlich verschärfen. Besonders betroffen seien Frauen und Mädchen. Sie sind unter dem Regime der radikalislamischen Taliban weitgehend von weiterführender Bildung, vielen Berufen und großen Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen.

Die sinkende internationale Finanzierung erschwert die Lage der Organisation zufolge weiter. Hilfsorganisationen müssten ihre Programme zunehmend auf akute Nothilfe konzentrieren und langfristige Maßnahmen zurückstellen. Das führe etwa dazu, dass Nahrungsmittelhilfe ausbleibe und Kleinbauern kein Saatgut sowie Dünger mehr erhalten. Doch Investitionen in klimaresiliente Landwirtschaft und lokale Märkte seien entscheidend für die Zukunft, betonte die Welthungerhilfe.