Soziale Medien sind nach Einschätzung des rheinischen Präses Thorsten Latzel „ein starker Katalysator von Prozessen der Spaltung in der Gesellschaft. “Es ist ein Problem, dass wir die kommunikativen Autobahnen in digitalen Medien abgegeben haben an einzelne ausländische Konzerne„, sagte der Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). “Wir wissen, dass die Algorithmen auf Eskalation und Konflikte angelegt sind, sie dienen nicht der Verständigung.„ Sie hätten vielmehr eine “entsozialisierende" Funktion.
„Wir stärken auf diese Weise eine Empörungskultur“, kritisierte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. Darunter leide die Freiheit, auch kritische Punkte konstruktiv zu diskutieren und zu einer wirklichen Begegnung zu kommen: „Ich habe in sozialen Medien wie Facebook oder Instagram noch keine wirklich gelungene Diskussion erlebt.“ Kommunikativ sei es wichtig, in seinem Gegenüber immer den Menschen zu sehen „und nicht einen Feind“.
Wir brauchen das Lagerfeuer, um das wir uns versammeln
Latzel konstatiert im epd-Gespräch am Rande der rheinischen Landessynode eine Misstrauenskultur in Deutschland: „Wenn ich nur auf mich selbst zurückgeworfen bin, überfordert mich das.“ Neues Vertrauen könne durch Gemeinschaftserfahrungen entstehen. Menschen brauchten „das Lagerfeuer, um das wir uns mit anderen versammeln können“.
Auch die Erfahrung der eigenen Selbstwirksamkeit könne gegen Misstrauen helfen: „Ich kann nicht die Welt retten oder den Klimawandel stoppen, aber ich kann mich in einem Umfeld engagieren und so neues Vertrauen gewinnen“, sagte der 55-jährige Theologe, der seit 2021 an der Spitze der zweitgrößten Landeskirche in Deutschland steht.