NRW-Vogelschutzbericht: Sowohl wachsende Bestände als auch Rückgänge
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Die Bestände bei "Allerweltsarten" wie zum Beispiel Haussperling gingen teilweise deutlich zurück.
Essen (epd).

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (Lanuk) sowie das zuständige Umweltministerium haben eine gemischte Bilanz zu den Vogelbeständen in Nordrhein-Westfalen gezogen. „Einerseits erleben wir mit der Ansiedlung von Fischadler und Wiedehopf die spektakuläre Rückkehr einst ausgestorbener Arten, sagte Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) in Essen bei der Vorlage des Vogelschutzberichts 2025. Andererseits gebe es bei Vogelbeständen in Feuchtwiesen und an Gewässern “teilweise dramatische" Rückgänge. Davon seien Arten wie die Uferschnepfe, die Bekassine oder der Kiebitz betroffen.

Zudem gingen die Bestände bei „Allerweltsarten“ wie dem Kuckuck, der Turteltaube oder dem Haussperling teilweise deutlich zurück, erklärte der Minister. Ursache dafür seien unter anderem der Klimawandel, die Intensivierung der Landwirtschaft sowie der Schwund von Nahrung und Lebensräumen. Allerdings gebe es auch „Klimawandelgewinner“ unter den Vogelarten, die sich als Folge der milderen Winter und wärmeren Sommer in NRW angesiedelt hätten. Dazu zählten unter anderem der Wiedehopf, der Bienenfresser oder der Seidensänger.

Seeadler und Seidensänger als regelmäßige Brutvogelarten etabliert

Der Vogelschutzbericht NRW 2025 listet 218 Brutvogelarten auf. Davon sind 169 regelmäßig brütende heimische Arten. Seit dem letzten Vogelschutzbericht haben sich Seeadler und Seidensänger als regelmäßige Brutvogelarten etabliert. Der Seeadler brütet seit 2017 unter anderem am Unteren Niederrhein. Einige ehemalige Rückkehrer seien inzwischen wieder so häufig, dass sie von den Roten Listen gefährdeter Arten gestrichen werden konnten - darunter Uhu, Wanderfalke, Weißstorch und Kolkrabe. „Das zeigt: Der Einsatz für den Schutz bedrohter Arten lohnt sich“, erklärte Krischer.

Der zentrale Befund des Vogelschutzberichts lautet: Die Vogelwelt in NRW läuft stärker auseinander, die „stabile Mitte“ wird kleiner. Der Anteil abnehmender Arten ist gegenüber dem Vogelschutzbericht von 2019 um zehn Prozent gestiegen. Zugleich liegt der Anteil zunehmender Arten in diesem Zeitraum bei nahezu 40 Prozent.

Mehr als 200 Faktoren beeinflussen den Vogelbestand in NRW

Als Ursachen dieser Veränderungen verwies der Leiter der Vogelschutzwarte im Lanuk, Christoph Grüneberg, auf 234 Gefährdungen und Beeinträchtigungen. Gut ein Viertel der Probleme werde durch die landwirtschaftliche Nutzung verursacht, hinzu kommen Einflussfaktoren wie die Forstwirtschaft, der Klimawandel oder der Zuzug invasiver Art etwa von Waschbären, die die Nester ausräubern.

Vor allem Vogelarten, „die auf nasse, offene und störungsarme Lebensräume angewiesen sind, bleiben in einer schwierigen Lage“, erklärte Grüneberg. „Uferschnepfe, Bekassine, Knäkente und Tüpfelsumpfhuhn stehen bei uns in Nordrhein-Westfalen noch immer kurz vor dem Aussterben.“

Als Schutzmaßnahme, um dem entgegenzuwirken, gibt es unter anderem das Förderprogramm „Life Wiesenvögel NRW“, das bis 2027 läuft und um ein Jahr verlängert werden soll. Das Programm wird mit 18,9 Millionen Euro gefördert und definiert landesweit acht Projektgebiete, in denen Feuchtgebiete bewässert und auch Gelege von Vögeln vor Räubern geschützt werden. Entsprechende Maßnahme zeigten „sehr vielversprechende Ergebnisse“, betonte Grüneberg. Gleichwohl könne man Blick auf den Vogelbestand in NRW derzeit „keine generelle Entwarnung“ geben.

Von Michael Bosse (epd)