Mit einem Abschlussgottesdienst ist die letzte Tagung der 13. Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden am Samstag in Bad Herrenalb (Landkreis Calw) zu Ende gegangen. Landesbischöfin Heike Springhart betonte die Verantwortung der Kirche, sich für Menschen einzusetzen, die von Gewalt bedroht sind, übersehen oder kleingeredet werden. Weitere Themen waren der Gebäudestrukturprozess und der Schutz vor sexueller Gewalt.
Springhart sagte, dass etwa Angriffe gegen queere Menschen, gar das Absprechen ihrer Geschöpflichkeit oder die Verunglimpfung als «Zeitgeistphänomen», nicht hinnehmbar seien. Niemandem stehe es zu, andere von der Zugehörigkeit zu Christus auszuschließen. «Wir sind als Evangelische Landeskirche in Baden eine offene Kirche, in der alle willkommen sind - unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung und Herkunft.» Daher sei es richtig, dass queersensible Seelsorge zunehmend Bedeutung bekomme.
Bischöfin: Kirche sollte «friedensdienliche Kräfte» stärken
In Anbetracht der weltweiten Krisen wies sie darauf hin, dass es Aufgabe der Kirche sei, Kräfte zu stärken, die dem Frieden dienen. Ein erster Schritt sei es, bestehende Kontakte in Krisengebiete aufrechtzuerhalten. «Sodass die Zivilgesellschaft, die sozusagen stark und demokratisch orientiert ist, erhalten bleibt», sagte sie. Die Menschen leisteten beeindruckende soziale Arbeit vor Ort. Die Evangelische Landeskirche in Baden habe als Partner beispielsweise die Schneller-Schulen im Libanon sowie die School for Theology in Palästina und Israel. «Christlicher Glaube endet nicht am eigenen Gartenzaun, sondern wir sind verbunden in der weltweiten Gemeinschaft von Christinnen und Christen», betonte die Bischöfin.
Springhart: Konflikte betreffen Menschen, nicht Feindbilder
Ein weiterer Schritt sei es, in Debatten nicht zu vergessen, dass es um Menschen geht und nicht um Feindbilder. «Das heißt, wenn wir über Konfliktkonstellationen reden, dann ist es unsere Aufgabe darauf hinzuweisen, dass es um Männer, Frauen und Kinder geht, die um ihre Zukunft bangen», erklärte Springhart.
Mit Blick auf die zu Ende gehende sechsjährige Legislaturperiode der Landessynode erinnerte sie an die Corona-Zeit. Diese habe auch in der Kirche Spuren hinterlassen. Eine systematische Aufarbeitung des kirchlichen Handelns stehe noch aus.
Strukturprozess: 385 Kirchen bleiben mit Sicherheit erhalten
Der badische Synodalpräsident Axel Wermke zog eine positive Bilanz zum Strukturprozess «ekiba 2032». Insgesamt könnten mehr kirchliche Gebäude, deren Erhalt über landeskirchliche Mittel gesichert ist, erhalten werden als ursprünglich erwartet. Im Rahmen des Prozesses baut die Kirche ihre Strukturen entsprechend den zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen um.
Konkret werden 385 badische Kirchen mit Sicherheit erhalten bleiben, das sind rund 55 Prozent des bisherigen Bestandes. 154 Gemeindezentren beziehungsweise Gemeindehäuser (circa 30 Prozent des bisherigen Bestandes) und weitere 320 Pfarrhäuser bleiben bestehen (rund 70 Prozent des bisherigen Bestandes). Für die anderen kirchlichen Gebäude müsse eine andere Finanzierung oder Nutzung entwickelt werden, so der Synodalpräsident.
Weitere Regeln zum Schutz vor sexueller Gewalt an Freiburger Hochschule
Die Kirchenparlamentarier beschäftigten sich abermals mit den Themen «Aufarbeitung und Schutz vor sexualisierter Gewalt.» Am Mittwochabend berichteten Betroffene in einem nicht-öffentlichen Rahmen mit Text- und Musikbeiträgen von den ihnen widerfahrenen Dingen.
Am 24. April beschlossen die Synodalen weitere Regelungen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt an der Evangelischen Hochschule in Freiburg. Die Hochschule habe schon zahlreiche Maßnahmen zum Schutz vor Machtmissbrauch getroffen, sagte Synodaler Udo Zansinger. Bei der Gesetzesänderung gehe es um eine Angleichung des Rechts an die Standards der Landeskirche.
Ab Mai 2026 müssen alle, die an der Hochschule lehren und prüfen, drei Vorgaben erfüllen. Dazu gehört die Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses, die Absolvierung einer Schulung und die Unterzeichnung einer Erklärung nach den landeskirchlichen Regelungen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt.
Neue Landessynode konstituiert sich im Herbst
Im Herbst konstituiert sich dann in veränderter Besetzung die 14. Landessynode. Die Größe des Plenums wird von derzeit 74 Synodalen auf 70 Synodale sinken, die für die nächsten sechs Jahre die Geschicke der Landeskirche mitgestalten. Die 14. Landessynode wird sich aus 55 gewählten Delegierten, elf berufenen Mitgliedern und vier Jugendvertretern zusammensetzen.
Die Frühjahrstagung der 13. Landessynode hatte am Dienstag begonnen. Die Synode der Evangelischen Landeskirche in Baden ist eines von vier kirchenleitenden Gremien neben der Landesbischöfin, dem Landeskirchenrat und dem Oberkirchenrat. Sie vertritt rund 950.000 Protestanten von Wertheim bis zum Bodensee.