WWF warnt vor weiterem Rückgang der Wildtierbestände
Berlin (epd).

Die Umweltschutzorganisation WWF warnt vor einem weiteren Rückgang der weltweiten Wildtierbestände. Laut dem am Donnerstag veröffentlichten „Living Planet Report“ sind die Wirbeltierpopulationen zwischen 1970 und 2022 im Schnitt um 73 Prozent geschrumpft. Das entspricht der Quote der letzten Erhebung aus dem Jahr 2024. Die Vorständin für Naturschutz bei WWF Deutschland, Kathrin Samson, forderte, Naturschutz „verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“ zu verankern. So lasse sich der Abwärtstrend noch umkehren.

Am stärksten betroffen sind den Angaben zufolge Süßwasserlebensräume wie Seen und Flüsse, wo die Populationsgrößen um 85 Prozent eingebrochen seien. Bei Landwirbeltieren betrug der Rückgang demnach 69 Prozent, in den Meeren 59 Prozent.

Artenvielfalt in Lateinamerika sinkt am drastischsten

In Nordamerika (minus 28 Prozent) sowie Europa und Zentralasien (minus 23 Prozent) war der relative Negativtrend weniger stark ausgeprägt. Der WWF-Biologe Stefan Ziegler führt das darauf zurück, dass die menschliche Flächennutzung hier im Referenzjahr 1970 bereits stark ausgeprägt war. Für Lateinamerika und die Karibik geht der Report seither hingegen von einem Populationseinbruch von 95 Prozent aus. In Afrika liege der Negativtrend bei 80 Prozent, in Asien und der Pazifikregion bei 49 Prozent.

Die größte Bedrohung besteht den Angaben zufolge im Verlust von Lebensraum. Hinzu kämen unter anderem Wilderei, die Klimakrise, Umweltverschmutzung und Krankheiten. Dazu trügen besonders drei Systeme bei: Lebensmittelproduktion, Energieerzeugung und das Finanzsystem. Hier gebe es aber auch positive Entwicklungen, etwa bei erneuerbaren Energien.