Endlagersuche: Ostdeutschland scheidet in Teilen aus
Peine, Berlin, Erfurt (epd).

Teile von Ostdeutschland kommen nicht mehr als Endlager-Standorte für hoch radioaktive Abfälle infrage. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat die infrage kommenden Gebiete am Dienstag noch einmal reduziert. So befinden sich sowohl Sachsen als auch Berlin aktuell nicht mehr im Suchverfahren. In Thüringen werden Teile des Unstrut-Hainich-Kreises und des Ilmkreises nicht weiter untersucht. Das Werra-Fulda-Becken wurde laut Angaben des Thüringer Umweltministeriums als gering geeignet eingestuft. Die Region um den Landkreis Sömmerda komme dagegen weiterhin infrage.

In Sachsen-Anhalt könnten hingegen noch vergleichsweise viele Flächen infrage kommen. In Brandenburg liegt der größte noch nicht ausgeschlossene Bereich im Gebiet Jüterbog als Teilgebiet des Niederlausitzer Beckens.

Regionen in elf Bundesländern

Laut Angaben der BGE kommen noch Regionen in elf von 16 Bundesländern für ein Endlager infrage. Mit dem aktuellen Arbeitsstand werde die weiter betrachte Fläche auf weniger als fünf Prozent des Bundesgebietes eingegrenzt, erläuterte BGE-Geschäftsführerin Iris Graffunder. Im vergangenen Jahr befanden sich noch etwa 25 Prozent der Fläche Deutschlands im Suchverfahren.

Rheinland-Pfalz und das Saarland waren schon früher ausgeschieden. In Niedersachsen bleiben vor allem Flächen in der Region Hannover, in den Landkreisen Peine, Schaumburg und Osnabrück sowie im Emsland und im Harz im Verfahren. Auch im Land Bremen wird noch ein Gebiet geprüft.

Endgültige Entscheidung bis Mitte des Jahrhunderts

2027 will die im niedersächsischen Peine ansässige BGE „eine bis zwei Handvoll“ Standortregionen benennen, die dann bergmännisch untersucht werden sollen. Mit einer endgültigen Entscheidung über den Endlagerstandort rechnet Graffunder spätestens bis Mitte dieses Jahrhunderts.

Durch den Betrieb der Atomkraftwerke sind in Deutschland rund 28.000 Kubikmeter an hochradioaktivem Atommüll angefallen. Das entspricht 10.500 Tonnen Schwermetall, die in etwa 1.900 Castor-Behältern verpackt wurden oder noch werden.

Der hochaktive Müll besteht aus den ausgedienten Brennelementen aus den Atomkraftwerken sowie aus in Glas eingeschmolzenen Rückständen der Wiederaufarbeitung. Obwohl die hochradioaktiven Teile nur etwa fünf bis zehn Prozent des gesamten Volumens aller radioaktiven Abfälle in der Bundesrepublik ausmachen, enthalten sie mehr als 99 Prozent der Radioaktivität.

Lagerstätte in mindestens 300 Metern Tiefe

Die Suche hatte mit dem 2013 verabschiedeten und vier Jahre später novellierten Standortauswahlgesetz neu begonnen. Nach Jahren heftiger politischer Auseinandersetzungen über die Atomkraft sicherte es einen wissenschaftsbasierten Neustart. Das bedeutet: Der Standort für das Endlager, dem in letzter Instanz der Bundestag zustimmen muss, wird allein nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt.

Als sogenannte Wirtsgesteine für das Endlager kommen unterirdische Granit- und Tonformationen sowie Salzstöcke in Betracht. Die künftige Lagerstätte soll mindestens 300 Meter unter der Erde liegen und von einer mindestens 100 Meter dicken Gesteinsschicht als Barriere umgeben sein. Die radioaktiven Abfälle sollen dort für mindestens eine Million Jahre möglichst sicher verwahrt werden.

Von Reimar Paul (epd)