„Melonen bei uns? Das konnte ich nicht glauben!“, erzählt die 16-jährige Hannah. „Dann war ich am Feld überfordert, wie viele Melonensorten es dort gibt.“ So wie der Schülerin aus Magdeburg, die mit ihrer Familie im sachsen-anhaltischen Hohenthurm bei Halle zum ersten Mal Melonen auf einem Feld von „RegioFarmers“ selbst gepflückt hat, geht es vielen seiner Kunden, sagt Geschäftsführer Peter Meinhardt. Der Landwirtschaftsbetrieb hat seit 2013 Erfahrungen mit Erdbeerfeldern. Später kamen Himbeeren und Kürbisse hinzu. Und seit dem Vorjahr auch Wasser-, Honig- und Zuckermelonen.
„Der deutsche Melonenanbau wächst deutlich, befindet sich aber immer noch in einer Nische“, sagt Henriette Keuffel vom Forum Moderne Landwirtschaft e. V. in Berlin. Bundesweit wären es aber bereits einige Hundert Hektar Anbaufläche. Die Obstbauregionen am Bodensee und die Weinlagen am Rhein, in Franken oder im Dresdner Elbtal waren Vorreiter. Auch in Velten bei Berlin gibt es seit dem Jahr 2015 Wassermelonen aus regionalem Anbau: Der gebürtige Ungar Attila Puszti hatte die Idee und Samen aus seiner Heimat mitgebracht.
Klimawandel mit warmen Sommern begünstigt Reife der Melonen
Seit etwa zehn Jahren mehren sich in Mitteleuropa sehr warme - und oft auch vergleichsweise trockene - Sommer. Für Landwirt Peter Meinhardt ein klarer Hinweis auf den Klimawandel. Doch was den Erdbeeren schon zu warm ist, „genießt“ die Melone: Temperaturen dauerhaft über 30 Grad geben dem südländischen Gemüse erst die richtige Süße. Doch der Anbau ist nicht so einfach: Bereits die Keimung der Samen sei aufwendig. „Da bedarf es hoher Temperaturen“, berichtet Meinhardt.
Auch bei der Aufzucht muss es warm bleiben, weil die Pflanze überhaupt keine Kälte verträgt. Deshalb wurden die Jungpflanzen erst nach den Eisheiligen etwa Mitte Mai auf das gut 10.000 Quadratmeter große Feld gepflanzt. Damit die Früchte trotz der zunehmenden Niederschlagsarmut groß genug und saftig werden, haben „RegioFarmers“ eine Tröpfchenbewässerung verlegt. „Es ist auf jeden Fall eine sehr teure Kultur“, erläutert Meinhardt. Deshalb liegt der Kilopreis für die selbst gepflückten Melonen mit 2,20 Euro je Kilogramm auch etwas höher als für die Importfrüchte im Supermarkt.
Geschmack der selbst gepflückten Melonen begeistert die Kunden
„Ich war sehr überrascht, wie lecker die Melonen sind“, erzählt die Teenagerin Hannah begeistert. „Süß und saftig! Selbst ungekühlt hier direkt vom Feld kann man die snacken. Viel leckerer als die Früchte aus dem Supermarkt“, zieht die Schülerin ihr Fazit nach der ersten eigenen Melonenernte. Auch andere Kunden bestätigen diesen Eindruck.
Mit den Melonen haben „RegioFarmers“ die Sommerlücke zwischen den Beeren im frühen Sommer und den Kürbissen im Frühherbst geschlossen. Doch auf den Hype, den die saftig-süße Sommererfrischung bei den begeisterten Kunden ausgelöst hat, waren sie nicht vorbereitet. „Wir wurden sprichwörtlich überrannt und die Leute, die haben wirklich sehr, sehr gut geerntet. Das ist eine schöne Sache, dass das so angenommen wird“, schwärmt der Landwirt. Aktuell reifen zwölf Sorten, darunter auch Honig- und Zuckermelonen. Wenn das Wetter hält, kann man in Hohenthurm noch bis Mitte September Melonen selbst pflücken.