Die Mehlschwalbe ist in Thüringen gefährdet
Jena (epd).

Der zum Vogel des Jahres 2027 gewählten Mehlschwalbe geht es in Thüringen zunehmend schlechter. Die Bestände des Zugvogels gingen kontinuierlich zurück, erklärte der Schwalbenbeauftragte des Naturschutzbundes (Nabu) Thüringen, Tino Sauer, am Donnerstag in Jena. 2026 sei kein gutes Jahr für die Mehlschwalbe gewesen.

Bei der bundesweiten Wahl hatte die Mehlschwalbe 67.050 Stimmen und damit 45,2 Prozent erhalten. Insgesamt beteiligten sich 148.506 Menschen, teilte der Naturschutzbund am Donnerstag mit. Die Schwalbe löse zum Januar das Rebhuhn als Jahresvogel ab.

Thüringenweit bis zu 40.000 Brutpaare

In Thüringen gibt es nach Angaben des Nabu noch bis zu 40.000 Mehlschwalben-Brutpaare. Bundesweit werde der Bestand auf rund 770.000 Brutpaare geschätzt. Die Vögel seien flächendeckend im Freistaat beheimatet. Sie brüteten vor allem an Gebäuden in Siedlungen und bevorzugen die Nähe von Gewässern.

Als mögliche Ursache für den jüngsten Rückgang nannte Sauer Schneefälle und kalte Regenperioden in den Alpen auf dem Weg in die Winterquartiere 2025. Die widrigen Bedingungen hätten die Nahrungssuche erschwert und die Tiere geschwächt. Im Frühjahr 2026 seien deshalb möglicherweise weniger Mehlschwalben nach Thüringen zurückgekehrt. Es könne mehrere Jahre dauern, bis die Verluste ausgeglichen seien.

Die langfristigen Ursachen sieht der Nabu jedoch vor allem in menschlichen Eingriffen. Dazu gehörten die illegale Zerstörung von Nestern, Vergrämungsmaßnahmen an Gebäuden, moderne Architektur und zunehmende Flächenversiegelung. Auch der Rückgang der Fluginsekten als Nahrungsgrundlage setze den Vögeln zu.