Jeder fünfte Bewohner Berlins (20 Prozent) ist laut dem am Donnerstag veröffentlichten Sozialbericht des Senats armutsgefährdet. Für Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) ist das „ein eindeutiger Auftrag“ an die Politik, die soziale Infrastruktur zu sichern und zu stärken. Besonders deutlich sei der Anstieg im Vergleich zum Jahr 2015 zu beobachten, als der Wert nur bei etwas mehr als 15 Prozent gelegen habe. Berlin liegt damit mittlerweile mehr als fünf Prozentpunkte über dem Bundesschnitt. Als armutsgefährdet gilt eine Person, wenn ihr Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt.
Auch die Altersarmut ist laut Bericht leicht angestiegen und liegt mit 7,3 Prozent weit über dem Bundesdurchschnitt. Dagegen sank die Kinderarmut in Berlin in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Die neuesten Zahlen aus dem Jahr 2023 geben 25,1 Prozent an, 2015 lebte noch fast jedes dritte Kind in einem Haushalt, der auf Arbeitslosengeld angewiesen ist. Bundesweit war die Kinderarmut im Jahr 2023 mit 14 Prozent demnach deutlich niedriger.
Neun Prozent sind einkommensreich
Vermögen sind in Berlin ungleich verteilt: Die Hälfte der Berlinerinnen und Berliner verfügt nur über ein Vermögen von maximal 5.620 Euro. Gleichzeitig liegt das Durchschnittsvermögen bei 57.000 Euro.
Im Gegensatz dazu gelten rund neun Prozent in Berlin als einkommensreich. In der Hauptstadt gilt ein Einpersonenhaushalt demnach ab einem Nettoeinkommen von 4.134 Euro als einkommensreich, ein Paar ohne Kinder ab 6.202 Euro. Die Zahl der Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen von mindestens einer Million Euro verdoppelte sich zwischen 2015 und 2021 auf fast auf 1.601 Personen.
Hohe Mietbelastung
Nicht nur bezogen auf das Einkommen misst die Senatssozialverwaltung Armut, sondern auch hinsichtlich der Wohnfläche. Etwas mehr als jede zehnte Person war demnach im Jahr 2022 von Wohnarmut betroffen, hatte also weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Pro-Kopf-Wohnfläche zur Verfügung. In Berlin beträgt diese 47,1 Quadratmeter. Bei Wohnarmut steht einer Person weniger als 23,5 Quadratmeter zur Verfügung.
Zeichen für einen angespannten Wohnungsmarkt ist auch die Mietbelastungsquote: Sie gibt an, wie viel Prozent des Einkommens für die Bruttokaltmiete ausgegeben wird. In Berlin lag die mittlere Mietbelastungsquote laut Bericht zuletzt bei rund 27 Prozent, drei Prozentpunkte über dem Bundeswert. Etwa jeder fünfte Haushalt habe sogar mindestens 40 Prozent des Nettoeinkommens für die Miete aufgewendet.
Eralp fordert „harte Regulierung“ der Mieten
Die Spitzenkandidatin der Linken für die Abgeordnetenhauswahl im September, Elif Eralp, sieht die Mietkosten als Haupttreiber der Schere zwischen Arm und Reich. „Sie machen die Berlinerinnen und Berliner arm. Es ist schlicht unhaltbar, dass mehr als ein Fünftel der Menschen über 40 Prozent ihres Einkommens allein für die Miete aufbringen muss“, kritisierte Eralp. Sie forderte eine „harte Regulierung der Mieten“ und eine Bauoffensive an bezahlbaren Wohnungen.
Die Ergebnisse des Sozialberichts 2025 zeigen die Entwicklung von 2015 bis 2023.