Sachsen-Anhalt: Nicht jede Klinik wird künftig noch alles anbieten
Magdeburg (epd).

Der Medizinische Dienst sieht die Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt insgesamt offenbar gut aufgestellt. Im Zuge der gesetzlichen Prüfung von medizinischen Leistungsgruppen wie Kardiologie oder Notfallmedizin seien rund 70 Prozent aller Anträge erfüllt worden, sagte der Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Sachsen-Anhalt, Jens Hennicke, am Mittwoch in Magdeburg.

Bei der Prüfung stand die Qualität der angebotenen Leistungen im Fokus. So könnte es durchaus zu Veränderungen bei den Angeboten der 44 Krankenhäuser im Land kommen. Bis Ende August werden die Ergebnisse vom Sozialministerium überprüft, ehe Anfang September alle Kliniken informiert werden.

Ausnahmeregelungen nicht zulasten der Patientensicherheit

Häufig seien Anträge als „nicht erfüllt“ eingestuft worden, weil Fachpersonal fehlt, sagte Hennicke. Manchmal habe ein Facharzt gefehlt, um die gesetzlichen Bedingungen zu erfüllen, hieß es. Dort seien dann Kooperationen zwischen Häusern denkbar, um Leistungen weiter anzubieten. Denkbar sei auch, dass das Sozialministerium aufgrund der Versorgungsrelevanz eine Ausnahmeregelung für drei Jahre bei einzelnen Anträgen erlässt.

„Hinsichtlich der Ausnahmeregelungen setzen wir auf ein verantwortungsvolles Handeln der Landesregierung. Wir brauchen tragfähige Lösungen für mindestens zehn Jahre“, sagte die Landesgeschäftsführerin der Krankenkasse Barmer, Birgit Dziuk. Ausnahmeregelungen dürften nicht zulasten der Patientensicherheit gehen.

Kliniken sollten stärker kooperieren

Der Medizinische Dienst regte an, dass das Sozialministerium aber auch intervenieren sollte, wenn an einem Ort wie Halle (Saale) mehrere Kliniken die gleichen Leistungsgruppen abdecken. Dort sei die Konzentration von Leistungen durchaus wünschenswert.

Auch die Barmer sprach sich für Schwerpunktbildungen aus: Nicht jede Klinik müsse alles anbieten. „Das Land sollte jetzt die Chance für ein Gesamtkonzept nutzen und die stationären und ambulanten Strukturen sowie den Rettungsdienst miteinander verzahnen“, sagte Dziuk. Entscheidend sei die Qualität der erbrachten Leistung.

Von Thomas Nawrath (epd)