Psychologe will Suchtpotenzial von Sozialen Medien senken
Berlin (epd).

Suchterzeugende Funktionen in Sozialen Medien wie TikTok und Instagram sollten aus Sicht des Psychologen Olaf Köller zumindest für Minderjährige abgeschaltet werden. Die Algorithmen würden den Jugendlichen immer neue auf sie abgestimmte Videos anbieten, sagte der Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel am Montag im RBB-Inforadio. Würden diese Ketten unterbrochen, nehme „das Suchtpotenzial deutlich ab“.

Köller ist Co-Vorsitzender der Kommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ des Bildungsministeriums, die Empfehlungen für die Bundesregierung erarbeitet hat. Er spricht sich unter anderem für ein Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige aus. Denn neben suchterzeugenden Merkmalen seien auch die Inhalte der Plattformen gefährlich. Er sehe jedoch, „dass Social Media Teil der Identitätsentwicklung der Kinder und Jugendlichen ist“ und würde die Altersgrenze deshalb nicht höher ansetzen. Wie die EU-Kommission seien er und seine Kolleginnen und Kollegen für eine altersgestufte Lösung.

Kinder und Jugendliche besonders gefährdet

Auch für Erwachsene sieht Köller Risiken bei der Nutzung Sozialer Medien. Es gelte jedoch, Jugendliche stärker zu schützen. Dafür sieht der Psychologe sowohl die Plattformen als auch den Gesetzgeber in der Pflicht. „Wir wissen, dass Jugendliche, wenn sie eine solche Sucht entwickeln, sehr resistent später gegen Therapien sind. Man hat sehr viel Mühe, wirklich therapeutisch erfolgreich zu sein“, sagte Köller. Der Psychologe plädierte auch für weitere Bildungsangebote, um junge Menschen über Risiken aufzuklären.