Die Zahl der Berliner Betriebe, die Künstliche Intelligenz (KI) nutzen, ist erneut stark gestiegen. Wie aus dem Betriebspanel, einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), hervorgeht, setzten rund 34 Prozent der Berliner Betriebe im vergangenen Jahr KI-Anwendungen ein. Der Bundesdurchschnitt lag demnach bei 27 Prozent. Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) hob am Donnerstag bei der Vorstellung des Betriebspanels 2025 in Berlin vor allem die Chancen der neuen Technologie hervor.
Den Angaben zufolge nutzten 2022 noch lediglich fünf Prozent der Berliner Betriebe KI. Mit dem Durchbruch von Programmen wie ChatGPT oder Microsoft Copilot sei dieser Anteil stark gestiegen. Jeder vierte Betrieb in der Hauptstadt setze ausschließlich generative KI ein, die selbstständig Inhalte kreieren kann. Drei Prozent nutzten nur nicht-generative KI und sechs Prozent beides. Dagegen seien bei 66 Prozent der Betriebe noch gar keine KI-Programme in Anwendung, vor allem aufgrund mangelnder Anwendungsmöglichkeiten.
Nicht als Bedrohung sehen
„Es geht darum, Künstliche Intelligenz nicht als Bedrohung, sondern als Werkzeug zu begreifen“, sagte Kiziltepe bei der Vorstellung des Betriebspanels. Klar sei, dass die Technologie die Menschen unterstützen müsse, anstatt sie zu ersetzen. Die Arbeitssenatorin räumte ein, dass durch KI manche Jobs verschwinden könnten. „Aber dafür entstehen in anderen Bereichen auch neue Berufe“, sagte Kiziltepe.
Wichtig seien zum Schutz der Arbeitnehmer klare Absprachen mit den Sozialpartnern sowie Betriebsvereinbarungen zum Einsatz von KI. Sie verwies darauf, dass auch die Senatsarbeitsverwaltung derzeit an einer solchen Vereinbarung mit ihren Mitarbeitern arbeite. Laut Betriebspanel hatte 2025 ein gutes Viertel der Berliner Betriebe Leitfäden oder Absprachen zum Umgang mit KI.
Größte Herausforderung für die Wirtschaft bleibt aus Sicht der Senatsverwaltung der Bedarf an Fachkräften. Der Befragung zufolge suchten 34 Prozent der Betriebe in der Hauptstadt im vergangenen Jahr Arbeitskräfte mit abgeschlossener Ausbildung oder Hochschulabschluss. 52 Prozent dieser Stellen seien unbesetzt geblieben. Kiziltepe hob KI-Anwendungen als Chance hervor, um diesen Mangel auszugleichen. „Künstliche Intelligenz allein löst den Fachkräftemangel nicht, aber sie ist ein wichtiger Baustein, um die vorhandenen Kapazitäten besser zu nutzen“, betonte Kiziltepe und rief auch zu mehr Weiterbildungen auf.
Wenige Schulungsangebote
Lediglich 31 Prozent der Berliner Betriebe, die im vergangenen Jahr KI nutzten, boten der Befragung zufolge auch Schulungen dazu an. Generell habe der Anteil der Betriebe mit Weiterbildung in Berlin bei 40 Prozent gelegen. 27 Prozent der Beschäftigten nahmen 2025 solche Angebote in Anspruch. Die Quote von Arbeitskräften, die qualifizierte oder hochqualifizierte Arbeiten ausführten, war der Umfrage nach doppelt so hoch wie bei Ungelernten.
Bei der Tarifbindung liegt die Hauptstadt unter dem Bundesschnitt: Den Angaben nach hatten wie im Vorjahr 14 Prozent der Betriebe einen Tarifvertrag, zehn Prozentpunkte weniger als der deutsche Durchschnitt.