Krankenkasse: Attest-Reform könnte zu höherem Krankenstand führen
Berlin (epd).

Laut Berechnungen der Krankenkasse AOK Nordost würde der Krankenstand in Berlin bei einer Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag um rund zehn Prozent steigen. In der Auswertung von rund 100.000 Fehltagen sei auf neun Fehltage mit Attest ein weiterer Fehltag ohne Attest gekommen, teilte die Krankenkasse am Donnerstag in Berlin mit. So würden bislang nicht attestierte Kurzzeitausfälle von einem bis drei Tage künftig vollständig in der Kassenstatistik sichtbar werden und damit den ausgewiesenen Krankenstand steigen lassen.

Die Bundesregierung hatte eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag ins Spiel gebracht. Bislang ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gesetzlich erst ab dem vierten Krankheitstag vorzulegen. Zuletzt hatte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) die Sorge geäußert, dass Menschen mit einem leichten Infekt am ersten Tag zum Arzt gehen und aus einem kurzen Ausfall eine ganze Woche Krankschreibung wird.

Erheblicher Mehraufwand für Arztpraxen

Die Leiterin des betrieblichen Gesundheitsmanagements bei der AOK Nordost, Anke Jurchen, erklärte, die geplante Änderung würde „nicht nur einen erheblichen Mehraufwand verursachen und zusätzliche Kapazitäten in den Arztpraxen binden“. Sie könnte auch den „paradoxen Effekt haben, dass der ausgewiesene Krankenstand steigt“. Das würde dem „erklärten Ziel von Bundeskanzler Friedrich Merz, den Krankenstand zu senken, zumindest in der Statistik zuwiderlaufen“. Die Modellrechnung sei als Szenario und nicht als Prognose zu verstehen, teilte die Krankenkasse mit.