Die abschlagsfreie frühere Rente nach 45 Beitragsjahren wird in den ostdeutschen Bundesländern etwas häufiger in Anspruch genommen als im Westen der Bundesrepublik. Wie aus Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hervorgeht, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegen, ging 2025 fast jeder dritte Rentner oder jede dritte Rentnerin (32,8 Prozent) in den ostdeutschen Bundesländern inklusive Ost-Berlin früher in Rente. Im Westen nutzten 28 Prozent den als „Rente mit 63“ eingeführten früheren Renteneintritt ohne Abschläge. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 28,3 Prozent.
Die CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer aus Sachsen und Mario Voigt aus Thüringen hatten kürzlich gefordert, die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren nicht zu vollziehen. Sie argumentierten dabei, dass die Möglichkeit in den ostdeutschen Bundesländern „besonders Gewicht“ habe, weil verhältnismäßig viele Menschen die Anzahl an Beitragsjahren tatsächlich erreichen und zugleich die gesetzliche Rente im Osten für viele Menschen oft die einzige Form der Alterssicherung ist.
Baden-Württemberger und Bayern nutzen Möglichkeit ebenfalls oft
Die Zahlen der Rentenversicherung zeigen bei den ostdeutschen Bundesländern ein mit kleineren regionalen Unterschieden sehr einheitliches Bild, wonach rund jeder dritte Renteneintritt vor der regulären Altersgrenze erfolgte. Der Unterschied wird selbst in Berlin sichtbar, wo im ehemaligen Ost-Berlin 31,7 Prozent der Neurentnerinnen und -rentner abschlagsfrei früher in Rente gingen, in West-Berlin 16,8 Prozent.
Insgesamt wird die Möglichkeit im Westen unterschiedlich häufig genutzt: Hamburg und Nordrhein-Westfalen haben beispielsweise mit 19,7 und 26,2 Prozent verhältnismäßig niedrige Quoten bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. In Baden-Württemberg und Bayern wurde der frühere Renteneintritt im vergangenen Jahr wiederum auch von fast jedem dritten Neurentner genutzt (30,8 und 30,15 Prozent).