Diakonie Sachsen fordert Mindeststandards für Notunterkünfte
Radebeul (epd).

Die Diakonie Sachsen fordert verbindliche Mindeststandards für Notunterkünfte für Obdachlose, die über den reinen Kälteschutz hinausgehen. Zwar kämen die sächsischen Städte und Gemeinden ihrer gesetzlichen Pflicht zur Unterbringung von wohnungs- und obdachlosen Menschen grundsätzlich nach, erklärte der evangelische Wohlfahrtsverband am Montag in Radebeul. Allerdings variiere die Qualität teils erheblich. In Einzelfällen werde das gebotene Maß an Menschenwürde unterschritten. Auch fehlten Hilfesysteme, damit Notunterkünfte nicht zur Dauerlösung werden.

Problematisch sind laut Diakonie insbesondere Unterkünfte in Containerbauweise, die nur mit Bett und Toilette ausgestattet sind. Sie seien baulich auf eine einfache Reinigung ausgelegt, nicht aber auf menschenwürdiges Wohnen.

Verwahrungsfalle

Was als Überbrückung für wenige Tage gedacht sei, werde zudem für viele Betroffene zum Dauerzustand über mehrere Jahre. Der Grund für diese „Verwahrungsfalle“, so die Diakonie, sei der fehlende Zugang zum regulären Wohnungsmarkt.

Die Diakonie-Referentin für Wohnungsnotfallhilfe, Rotraud Kießling, nannte es inakzeptabel, dass Menschen jahrelang in Notquartieren nächtigen müssen, weil es keine passenden Wohnungen gebe. Abhilfe könnten verbindliche Belegungsbindungen und Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft schaffen.

Verwaltung des Elends

Diakonie-Chef Dietrich Bauer warnte vor einer „bloßen Verwaltung des Elends“. „Ein Dach über dem Kopf allein reicht nicht, wenn die Würde vor der Tür bleiben muss“, mahnte Bauer. Zum 31. Januar 2025 waren in Sachsen 6.885 Personen in Notunterkünften untergebracht.