Bericht Diakonie: Trotz Einkommen überschuldet
Radebeul (epd).

Die Diakonie Sachsen hat 2025 mehr als 3.000 Schuldnerberatungsfälle betreut. 38 Prozent der Ratsuchenden haben über Einkommen aus Erwerbstätigkeit oder Selbstständigkeit verfügt, wie aus einem am Montag von der Diakonie in Radebeul veröffentlichten Bericht hervorgeht. Weitere sechs Prozent der Betroffenen hätten ihr Einkommen durch Bürgergeld aufstocken müssen.

Der Bericht zeige, dass finanzielle Schwierigkeiten längst nicht nur Menschen ohne Arbeit betreffen. Diakonie-Referentin Rotraud Kießling erklärte: „Viele Menschen können trotz Erwerbstätigkeit ihre laufenden Kosten nicht mehr dauerhaft tragen.“ Steigende Wohn- und Energiekosten sowie fehlende finanzielle Rücklagen führten schnell in eine Überschuldungssituation. Zunehmend betroffen seien ältere Menschen. Ein Beratungsfall betreffe zum Teil mehrere Menschen.

Kein Randphänomen

Diakonie-Chef Dietrich Bauer erklärte: „Überschuldung ist kein gesellschaftliches Randphänomen.“ Sie betreffe „Menschen mitten im Leben - auch solche, die arbeiten, Kinder erziehen oder nach einem langen Erwerbsleben von ihrer Rente leben müssen“.

Die Diakonie Sachsen betreibt 19 Schuldnerberatungsstellen. Die personellen Kapazitäten reichen laut Kießling „bei Weitem nicht aus“. Zwölf Prozent der Beratenen bezogen laut Diakonie Alters- oder Erwerbsminderungsrente, elf Prozent waren über 65 Jahre alt, 27 Prozent der Fälle betrafen Familien mit Kindern.

Bundesweit findet seit Montag bis zum 19. Juni eine Aktionswoche Schuldnerberatung statt. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto „Wie komme ich an mein Geld? Wenn das P-Konto zum Problemkonto wird“.