Die Akademie der Künste präsentiert bisher unbekannte Aufzeichnungen des Dramaturgen und Lyrikers Heiner Müller (1929-1995). Das am 1. Januar 1945 begonnene Heft mit Notizen sei von seiner langjährigen Mitarbeiterin Renate Ziemer an das Archiv übergeben worden, teilte die Akademie der Künste am Montag in Berlin mit. Inhalte daraus sollen am 25. Februar in der Akademie der Künste vorgelesen werden.
Der Schauspieler Martin Wuttke wird neben Auszügen aus Müllers Notizheft auch zentrale Texte des Dramaturgen lesen. Im Anschluss soll über die anhaltende Bedeutung seines Werkes diskutiert werden.
Gedanken eines 15-Jährigen
Im Notizbuch Müllers gehe es um die Gedanken des damals 15-Jährigen zu den Aufgaben der Kunst, der Revolution der Literatur und der geistigen Lage Europas. Der Krieg wird demnach nicht erwähnt, dafür enthalten die Aufzeichnungen Schriftstellerzitate und Listen mit charakteristischen Redewendungen, die Müller in seinen späteren Werken benutzte.
Heiner Müller war einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramaturgen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Künstler wurde wegen seiner Stücke immer wieder von der DDR-Führung kritisiert und vom Schriftstellerverband ausgeschlossen. Er schrieb Stücke wie „Die Hamletmaschine“ (1977), „Der Auftrag“ (1979) und „Quartett“ (1980/81). Von 1990 bis 1993 war er der letzte Präsident der Akademie der Künste Berlin (Ost).