Im Leipziger Stadtarchiv sind neue Handschriften der Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Georg Philipp Telemann (1681-1767) sowie des Schriftstellers Johann Christoph Gottsched (1700-1766) entdeckt worden. Die bislang unbekannten Akten zur Leipziger Kirchenmusik lieferten unter anderem neue Erkenntnisse zur Organisation von Bachs Kantatenaufführungen, wie das Bach-Archiv und die Stadt Leipzig am Dienstag mitteilten. Außerdem zeigten die Funde, wie die Stadt unter Bach gezielt die Kirchenmusik gefördert habe. Das Stadtarchiv präsentiert die Akten bis zum 23. April im Rahmen einer Sonderausstellung.
Unter anderem wurden Briefe und Bewerbungsschreiben von Studenten gefunden. Erstmals belegten die Quellen, dass der Leipziger Rat studentische Sänger und Instrumentalisten mit Stipendien förderte. Musikwissenschaftler Bernd Koska, der die Schreiben entdeckte, betonte: „Die Leipziger Kirchenmusik beruhte nicht allein auf künstlerischer Exzellenz, sondern auf einer funktionierenden kommunalen Förderstruktur.“
Zeugnis Bachs und Bewerbungsschreiben Telemanns
Als herausragender Fund gilt ein bislang unbekanntes Zeugnis Bachs von 1740 für den Bassisten Gottlob Friedrich Türsch. Zudem fanden sich das älteste erhaltene Bewerbungsschreiben Telemanns sowie ein Zeugnis Gottscheds für einen Nachfolger Bachs als Thomaskantor, Johann Friedrich Doles (1715-1797).
Der Direktor des Bach-Archivs, Peter Wollny, sagte, die Dokumente veränderten das Bild von den institutionellen Voraussetzungen der Kirchenmusik unter Bach grundlegend. Eine erste wissenschaftliche Auswertung soll im Bach-Jahrbuch 2025 erscheinen.