Bei archäologischen Untersuchungen in Stadtilm-Singen (Ilm-Kreis) ist ein keltischer Münzschatz entdeckt worden. Es handele sich um elf Münzen aus dem ersten Jahrhundert vor Christus und damit um den umfangreichsten Schatzfund dieser Epoche in Thüringen, teilte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Dienstag in Weimar mit. Der Fund wurde im Zuge des Baus eines Feuerwehrgerätehauses entdeckt.
Die keltischen Münzen wurden den Angaben zufolge bereits bei Untersuchungen im Juli und August 2025 gefunden. Gezielte Nachuntersuchungen im August 2026 bestätigten den Schatzfund, sagte eine Sprecherin. Die Münzen lagen demnach verteilt auf einer Fläche von 5,80 mal 1,50 Metern. Vermutlich seien sie einst in einem organischen Behältnis gemeinsam verborgen worden. Reste davon oder eines Keramikgefäßes seien jedoch nicht gefunden worden. Nach Einschätzung des Landesamtes wurden die Münzen vermutlich durch einen Pflug verstreut.
Prägestätte wird im Raum Gotha vermutet
Numismatisch handelt es sich laut Landesamt um sogenannte Quinare vom Prager Typ. Bislang seien aus ganz Thüringen lediglich etwa 80 Exemplare dieser Silbermünzen bekannt. Die zugehörige Prägewerkstatt werde im nordwestlich gelegenen Gothaer Land vermutet.
Neben dem Schatz wurden den Angaben zufolge während der Baumaßnahme weitere historische Objekte aus anderen Epochen entdeckt. Auf dem Grabungsfeld überdauerten unabhängig von den keltischen Münzen auch ein römischer Denar aus dem zweiten Jahrhundert, eine frühmittelalterliche Glasperle sowie ein Messerfragment. Ebenso seien eine Silbermünze aus dem 16. Jahrhundert und ein preußischer Uniformknopf gefunden worden, teilten die Archäologen mit.
Münzfund ermöglicht Rückschlüsse auf Handelsbeziehungen
Die beteiligten Archäologen gehen davon aus, dass alle einst gemeinsam verborgenen Münzen geborgen wurden. Damit könne der Singener Münzschatz als „geschlossener Fund“ eingeordnet werden. Für die archäologische Auswertung sei die Untersuchung solcher Fundzusammenhänge und die systematische Kartierung entscheidend.
Die Grabung bei Singen verbindet den Angaben zufolge die zahlreichen keltischen Fundstellen in Südthüringen mit weiteren Fundregionen. Dazu zählt etwa die Steinsburg bei Römhild im Kreis Hildburghausen, eine bedeutende keltische Siedlung mit Handwerksstätten. Solche Funde mit kulturellen und zeitlichen Übereinstimmungen ermöglichten Rückschlüsse auf Handelswege und Herstellungszentren. Der Singener Schatz habe das bisherige Wissen in diesem Punkt maßgeblich erweitern können.
Von germanischen Stämmen verdrängt
Die Kelten besiedelten das heutige Thüringen in der Eisenzeit vom sechsten bis zum ersten vorchristlichen Jahrhundert und hinterließen bedeutende Spuren wie Festungen, Kult- und Opferplätze. Gegen Ende dieser Epoche endete ihre Vorherrschaft, als sie zunehmend durch germanische Stämme verdrängt oder assimiliert wurden.