Goethe-Institute wollen Diskursräume in der Welt schaffen
Berlin (epd).

Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Gesche Joost, hat angesichts eines wachsenden Drucks auf liberale Demokratien weltweit die Rolle der Einrichtungen als Teil deutscher Außenpolitik betont. Die 154 Goethe-Institute in aktuell 100 Staaten böten wichtige Diskursräume, sagte Joost am Dienstag in Berlin.

Für die Wahrnehmung Deutschlands als Land freiheitlicher Werte leiste das Goethe-Institut einen entscheidenden Beitrag. Die Institute machten einen Unterschied gerade in Ländern, in denen die Demokratie beschnitten werde: „Wir werden als Safe-Spaces wahrgenommen“, sagte die Chefin des Goethe-Instituts.

Rechtsruck begegnen

Zugleich wies Joost darauf hin, dass auch die Goethe-Institute „resilienter“ werden müssten. Die Erfahrungen aus illiberalen Demokratien wolle sie nach Deutschland zurückspiegeln, um auch hier dem Rechtsruck begegnen zu können.

Mit Blick auf die USA sagte Generalsekretär Johannes Ebert, bislang gebe es keine Einschränkungen hinsichtlich der Arbeit vor Ort. Joost berichtete, dass es in Nahost deutliche Kritik an der Haltung der Bundesregierung im Gaza-Krieg gab. Hier gelte es, im Dialog zu bleiben, sagte sie.

Neue Institute in USA und Polen

Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik. Hier gibt es unter anderem Deutsch-Sprachkurse, Ausstellungen, Vorträge und Bibliotheken. Neueröffnungen von Goethe-Instituten gab es zuletzt in Houston (Texas, USA) und in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldau. Weitere Außenstellen sind derzeit in St. Louis (Missouri, USA) und Lublin (Polen) geplant.

In diesem Jahr feiert das Goethe-Institut sein 75-jähriges Bestehen. Das erste Auslandsinstitut wurde 1952 in Athen eröffnet. Dazu ist unter anderem ein Festakt am 23. Juni im Haus der Berliner Festspiele geplant.

Mehr Sprachprüfungen

Als Indiz für die Attraktivität Deutschlands gilt unter anderem die Zahl der Sprachkursteilnehmer in den Goethe-Instituten. Im vergangenen Jahr wurden rund 248.000 Teilnahmen gezählt, sieben Prozent weniger als 2024. Davon lernten 119.000 Menschen im Ausland in Präsenzkursen (minus zwölf Prozent) und 110.000 online. Ebert betonte, das Kursgeschäft sei „volatil“ und reagiere empfindlich auf globale Schwankungen und die Konjunktur. Die Zahl der weltweit abgelegten Sprachprüfungen stieg im vergangenen Jahr um drei Prozent auf 1,09 Millionen.

Vorbereitung von Fachkräften

Mit Blick auf den Wirtschaftsstandort Deutschland sagte Joost: „Wir bauen Brücken zwischen dem Ausland und Deutschland.“ Mit Deutschkursen, Prüfungen und kultursensibler Vorbereitung schafften die Goethe-Institute in Zusammenarbeit mit Partnern eine verlässliche Infrastruktur für Menschen, die in Deutschland studieren, arbeiten oder eine Ausbildung beginnen wollen. „Es ist wichtig, dass Zuwandernde gut vorbereitet sind“, sagte Joost. Die Fachkräfteeinwanderung sei „elementar“ für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik sei deshalb „elementarer Bestandteil der Außenpolitik“.

In diesem Jahr liegt der Gesamtetat des Goethe-Instituts bei 447,6 Millionen Euro. Davon kommen 232 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt. Die Einnahmen aus den Sprachkursen werden in diesem Jahr auf 164,2 Millionen Euro veranschlagt.

Von Lukas Philippi (epd)