Festival zeigt Rolle der Jüdinnen beim Weg in die Moderne
Kuratorin Diana Matut zum Programm des Yiddish Summer Weimar
Weimar (epd).

Mit Workshops, Konzerten und internationalen Begegnungen beginnt am Samstag der 26. Yiddish Summer Weimar. Die diesjährige Ausgabe steht unter dem Leitmotiv „Yiddish Wo:men - Another Story of Modernity“, sagte die Kuratorin des Festivals Diana Matut, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag in Weimar.

„Im Mittelpunkt steht die kreative Kraft von Frauen beim Weg der europäischen Jüdinnen und Juden in die Moderne“, betonte die Judaistin und Direktorin der Alten Synagoge in Essen und Dozentin am Oxford Centre for Hebrew and Jewish Studies.

Frauen waren wichtige Akteure jüdischer Kultur

Dabei solle die Geschichte von Frauen nicht als eine Beitragsgeschichte oder als eine Geschichte der Rolle der Frau erzählt werden: „Frauen, jiddischsprachige Frauen, waren über ein Jahrtausend Motoren der Entwicklung“, betonte Matut. Jiddischsprachige Frauen seien Mäzeninnen gewesen, hätten Literatur produziert und ließen Literatur übersetzen. „Frauen waren Druckerinnen, Sängerinnen, Liedschreiberinnen und sie waren Musikerinnen.“ Es gebe Tausende Dokumente, die berichten, was jüdische Frauen über ein Jahrtausend für die jüdische Kulturgeschichte bedeutet haben, sagte sie.

Das Festival tritt nach den ersten Workshops erstmals am 16. Juli mit einem Konzert des 30-köpfigen YAM-Ensembles in Weimar an die Öffentlichkeit. Das Ensemble bringt für Matut das auf die Bühne, wofür der Yiddish Summer Weimar seit über 25 Jahren stehe. Es liefere musikalische Exzellenz, faszinierende Begegnungen und die Erkenntnis, dass Kultur und Musik vor Grenzen, Religionen, Sprachen, Politisierung und Polarisierung nicht Halt mache, sondern verbindend wirke und Zusammenhalt biete.

Kulturstiftung des Bundes fördert drei Projekte

Ein Schwerpunkt des Festivals sind laut Diana Matut drei von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Uraufführungen. Dazu gehören das Musiktheaterstück „Togbukh“ über die jiddische Schauspielerin Rose Shoshana Kahan (1895-1968) und ihre Zeit im Shanghaier Ghetto der 1940er Jahre, das Projekt „Her:Kol“ mit neuen Vertonungen jiddischer Frauenlyrik sowie eine Online-Ausstellung zur Geschichte jiddischsprachiger Frauen und des Buches.

Neben den Uraufführungen sind auch Konzerte internationaler Künstlerinnen und Künstler geplant. „Unsere Veranstaltungen finden in Weimar, Erfurt und Eisenach sowie weiteren Orten in drei Ländern statt“, betonte Matut. Insgesamt umfasse das Programm 97 Veranstaltungen in Thüringen, Istanbul, Griechenland und Sachsen. Den Abschluss des Festivals bildet der traditionelle Tanz-Ball am 15. August.

epd-Gespräch: Matthias Thüsing (epd)