Der Palast der Republik
Berlin (epd).

Mit einem Tanz von Staats- und Parteichef Erich Honecker mit seiner Ehefrau, der DDR-Volksbildungsministerin Margot Honecker, wurde am 23. April 1976 der Palast der Republik in Ost-Berlin offiziell eröffnet. Die Staats- und Parteispitze der DDR war nahezu vollzählig versammelt, als nach nur dreijähriger Bauzeit das gigantische Bauwerk im Stil der Ost-Moderne auf dem Areal des früheren Berliner Schlosses eingeweiht wurde. Offiziell wurden die Baukosten mit 485 Millionen DDR-Mark angegeben, intern war die Rede von 800 Millionen.

Von 1973 bis 1976 war in Nachbarschaft des Berliner Doms und des Staatsratsgebäudes auf 15.300 Quadratmetern nach Willen der DDR-Führung ein „Haus des Volkes“ entstanden. Der moderne Zweckbau mit bronzener Glasfassade enthielt unzählige Restaurants und Bars, einen kleinen Saal mit 550 Plätzen, einen großen Kongress- und Kultursaal mit 5.500 Plätzen sowie das „Theater im Palast“. In dem Gebäude fanden Ausstellungen, Disco, Konzerte und politische Großveranstaltungen wie SED-Parteitage statt. Zudem war es Tagungsort der DDR-Volkskammer.

„Gläserne Blume“ und DDR-Malerfürsten

Im Innern war das von einem Architekten-Kollektiv entworfene Bauwerk mit unzähliger zeitgenössischer Kunst ausgestattet. In der sogenannten Palast-Galerie im gewaltigen Foyer hingen großformatige Bilder, unter anderem von den DDR-Malerfürsten Willi Sitte, Bernhard Heisig, Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer. Berühmt bis heute ist unter DDR-sozialisierten Menschen die fünf Tonnen schwere „Gläserne Blume“ der Magdeburger Glaskünstler Richard O. Wilhelm und Reginald Richter, die in der Mitte des Foyers stand und heute in Fragmenten in einem Depot im Deutschen Historischen Museum eingelagert ist.

Im Palast gastierten in 14 Jahren neben vielen DDR-Bands wie den Puhdys, Karat und Pankow auch internationale Musikerinnen und Musiker wie Santana, Helen Schneider, Miriam Makeba und Harry Belafonte. 1980 trat auch Tangerine Dream aus West-Berlin und 1983 Udo Lindenberg auf, nachdem er in seinem Lied „Sonderzug nach Pankow“ darüber geklagt hatte, dass ihm Auftritte in der DDR versagt blieben. Zwischen 1976 und 1990 zog der Palast der Republik mehr als 60 Millionen Besucher an.

780 Tonnen Spritzasbest

Nach dem Herbst 1989 und noch kurz vor der deutschen Wiedervereinigung wurde das Gebäude im September 1990 auf Anweisung der letzten DDR-Regierung geschlossen. Der Grund: Beim Bau wurden aus Brandschutzgründen 780 Tonnen Spritzasbest verarbeitet. Nach jahrelangen Diskussionen wurde das Ost-Berliner Wahrzeichen schließlich zwischen 2006 und 2008 abgerissen, um Platz für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zu schaffen.

Das im Stadtschloss angesiedelte Humboldt Forum würdigte den verschwundenen Palast der Republik 2023 mit einer Ausstellung, bei der auch viele Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Wort kamen. Eine entschiedene Abriss-Gegnerin war unter anderem die letzte Volkskammer-Präsidentin Sabine Bergmann-Pohl (CDU), weil damit ein wichtiger deutscher Ort verloren ging. Hier sei 1990 von der Volkskammer der Beitritt zur Bundesrepublik beschlossen und damit die deutsche Einheit besiegelt worden, argumentierte sie. Bergmann-Pohl ist bis heute überzeugt, dass der Abriss politisch gewollt war. Die Asbestbelastung des mittlerweile kernsanierten Gebäudes sei vorgeschoben gewesen.

Wiederaufbau des Palastes

Diese Idee treibt auch den Förderverein Palast der Republik e.V. um. Seine Mitglieder fordern den Wiederaufbau des Palasts der Republik in seinem Zustand von 2005. Der Palast werde das vertraute Bild Berlins wiederherstellen und die historische Mitte Berlins komplexer, aber auch lebenswerter machen, heißt es.

Von Markus Geiler (epd)