Die Erde fliegt vorbei. Ein Raumschiff quert die Kuppel. Kurz darauf taucht der Betrachter auf seinem Kinosessel tief hinein in die Ringe des Saturn. Stefan Harnisch ist der Einzige in der Runde, der die Projektion im Planetarium Jena schon einmal gesehen hat. „Ich bin immer noch ehrfürchtig und ergriffen“, sagt der technische Leiter des Hauses. Am 18. Juli 1926 wurde das Planetarium erstmals eröffnet. Genau 100 Jahre später haben Harnisch und sein Team das Sternentheater grundlegend saniert und mit einem neuen Sound- sowie einem hochmodernen Lichtsystem der Carl Zeiss AG ausgestattet.
„Carl Zeiss ist Jena“, sagt Harnisch: „Das Planetarium gehört zu Zeiss. Es ist toll, dass wir den völlig neu entwickelten Projektor als Erste einbauen konnten.“ Das Haus sei schließlich schon immer auch Referenzobjekt des Optik-Konzerns gewesen.
Wahrzeichen der deutschen Ingenieurbaukunst
Schon 1926 setzte das Planetarium bautechnisch neue Maßstäbe. Kern der Innovation war die von Zeiss-Geschäftsführer Walther Bauersfeld (1879-1959) entwickelte Kuppelkonstruktion. Statt schwerer Mauern basierte das Tragwerk auf einer ultraleichten Stabnetzkuppel aus rund 4.000 dreieckig verschraubten Eisenstäben. Diese Geometrie verteilte die Lasten so effizient, dass die Konstruktion den Raum stützenfrei überspannte.
Auf das filigrane Netz mit einem Durchmesser von 25 Metern und einer Fläche von 981 Quadratmetern wurde im Spritzverfahren eine nur sechs Zentimeter dicke Betonlage aufgetragen. Das Verfahren revolutionierte den Betonschalenbau. 2019 wurde die Konstruktion zum historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland erklärt.
Das älteste noch erhaltene Großplanetarium weltweit
Allerdings ist Jena nicht das älteste Bauwerk seiner Art. 1926 hatten Wuppertal-Barmen, Leipzig und Düsseldorf die Eröffnung ihrer Großplanetarien bereits gefeiert. Jena folgte als viertes Großplanetarium der Welt. Erhalten blieb jedoch nur das Jenaer Haus. Die Konkurrenzbauten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Auch die Technik erwies sich als erstaunlich langlebig. Der Sternenprojektor von 1926, das sogenannte Modell II, war 43 Jahre lang im Einsatz. Schon damals konnte er den Sternenhimmel von jedem beliebigen Punkt der Erde in bislang unerreichter Schärfe auf die Kuppel projizieren. „Das Wunder von Jena“ titelte die zeitgenössische Presse vor der Eröffnung am 18. Juli 1926.
Technik regelmäßig erneuert
Seitdem wurde die Technik regelmäßig erneuert. 1969 brachte die Installation des Sternprojektors „Typ 23/7“ eine deutliche Verbesserung der optischen Darstellung und Steuerung. 1985 hielt mit dem Projektor „Cosmorama“ das Computerzeitalter Einzug in das Planetarium. 1996 folgte der Einbau des Sternprojektors „Universarium“. Nur zehn Jahre später ersetzte die „All-Dome Laser Image Projection“ die klassischen Videobeamer durch hochauflösende Laser-Projektoren.
Im Zuge der nun abgeschlossenen 7,5 Millionen Euro teuren Generalerneuerung erhielt das Planetarium unter anderem Laserprojektoren der neuesten Zeiss-Generation. Sie stellen den Sternenhimmel den Angaben zufolge schärfer, kontrastreicher und farbiger dar als je zuvor.
Seltener Blick hinter den Sternenhimmel
Auch die Tontechnik wurde grundlegend erneuert. Hinter der Projektionsfläche installierten die Techniker mehr als 1.000 Lautsprecher. Das System ermögliche eine sitzgenaue Klangsteuerung, sodass jeder Gast den Eindruck habe, sich mitten im Stereoklang zu befinden. Zudem könnten künftig unterschiedliche Sprachfassungen innerhalb einer Vorführung gleichzeitig angeboten werden.
Harnisch ist überzeugt, dass das Planetarium auf Jahrzehnte hinaus nicht mehr so umfassend modernisiert werden muss. Um den störenden Kacheleffekt älterer Plattensegmente zu beseitigen, wurde die gesamte Innenkuppel entkernt und durch eine naht- und fugenlose Projektionsfläche aus Aluminium ersetzt. Dabei konnte Harnisch sogar einen Blick hinter den Sternenhimmel werfen. „Das werde ich nie wieder haben“, sagt er.