"Bedeutendes Zeugnis": Waldsiedlung Zehlendorf könnte Welterbe werden
Berlin (epd).

Von einer einst umstrittenen Arbeitersiedlung vielleicht zum Welterbe: Die Waldsiedlung Zehlendorf könnte bei der am Sonntag gestarteten Unesco-Tagung in die Welterbe-Liste aufgenommen werden. Damit würden die bereits als Welterbe eingestuften Siedlungen der Berliner Moderne um eine siebente Stätte erweitert. Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, warb zum Auftakt der Tagung im südkoreanischen Busan um die Anerkennung. „Die Siedlungen der Berliner Moderne stehen für eine Idee, die heute aktueller ist denn je: Gutes Bauen muss den Menschen dienen“, erklärte sie am Sonntag.

Die Erweiterung um die Waldsiedlung „würde dieses weltweit bedeutende Zeugnis sozialer und zukunftsorientierter Architektur stärken“, ergänzte die CDU-Politikerin und frühere Staatsministerin. Das Welterbekomitee der Unesco tagt bis zum 29. Juli im südkoreanischen Busan. Beraten wird über die Aufnahme von 33 Kultur- und Naturstätten. Deutschland hat die auch als Papageiensiedlung bezeichnete Waldsiedlung Zehlendorf vorgeschlagen. Sie entstand zwischen 1926 und 1931 unter dem federführenden Architekten Bruno Taut (1880-1938).

Landeskonservator: Welterbe-Status verpflichtet

Ursprünglich war sie für Arbeiter bestimmt und im bürgerlichen Zehlendorf deswegen umstritten. Die mehrfarbigen Häuser im Bauhaus-Stil zogen aber schnell Intellektuelle und Kulturschaffende an. Als die Siedlungen der Berliner Moderne 2008 als Welterbe anerkannt wurden, war die Waldsiedlung wegen des damals schlechten Zustands vieler Fassaden nicht dabei. Nach Sanierungen scheinen die Chancen für eine Anerkennung heute groß.

Böhmer sagte, der Welterbe-Titel sei „mehr als eine Auszeichnung, er ist ein Auftrag für die Zukunft“. Klimawandel, Kriege, rasant wachsende Städte und ein an Grenzen stoßender Tourismus setzten Kultur- und Naturerbestätten weltweit unter Druck. „Ihr Schutz ist wichtiger denn je“, sagte sie.

Auch aus Sicht des Landeskonservators von Berlin, Christoph Rauhut, sind die Weltkulturerbestätten der Hauptstadt nicht nur Auszeichnung, sondern Herausforderung. „So ein Welterbe-Status ist erst einmal eine Verpflichtung. Man bekommt damit ja ein besonders wertvolles Gut in die Hände gelegt und hat dann die Verantwortung, es für die gesamte Menschheit zu bewahren“, sagte Rauhut dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Bisher sechs Siedlungen der Berliner Moderne auf Welterbe-Liste

Rauhuts Behörde stellen Denkmäler in Privatbesitz vor andere Aufgaben als Anlagen in staatlicher Hand. Es gebe keine einzelne Institution, die allein für die Pflege zuständig sei, erklärte der Landeskonservator. „Eine Siedlung ist etwas anderes, weil wir da wirklich vor Ort präsent sein müssen. Es geht darum, mit den Eigentümern dort direkt zusammenzuarbeiten“, sagte Rauhut. Seine Behörde stelle dafür etwa detaillierte Denkmalpflegepläne bereit. Zudem gebe es Fördermittel.

In Berlin tragen neben der Museumsinsel und den Preußischen Schlössern bereits sechs Siedlungen der Berliner Moderne den Welterbe-Status. Dazu zählen etwa die Gartenstadt Falkenberg in Treptow und die Hufeisensiedlung Britz in Neukölln. Unter Denkmalschutz steht die Waldsiedlung bereits seit 1995.

Von Corinna Buschow und Joris Ufer (epd)