Archäologische Untersuchungen in der mehr als 1.000 Jahre alten Ruine der Stiftskirche St. Marien in Walbeck an der Aller (Landkreis Börde) haben das Alter des Stiftergrabes bestätigt. C14-Datierungen von Holzkohleresten im Mörtel und der Knochen in der Grabkammer hätten gezeigt, dass diese aus der Mitte des 10. Jahrhunderts stammen, teilte das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt am Dienstag mit. Zudem sei man weitestgehend sicher, „dass hier tatsächlich Graf Lothar II. (um 915-964), der Stifter der Kirche, begraben war“, sagte Landesarchäologe Harald Meller.
Archäogenetische Untersuchungen hätten bestätigt, dass die Knochenreste einem Mann aus dem Frühmittelalter zugeordnet werden könnten. „So dürfen wir davon ausgehen, dass direkt vor dem Hauptaltar der Stifter Lothar in 964 bestattet wurde“, sagte Donat Wehner, Experte des Landesamtes für die Zeit der ottonischen Herrscher.
Besondere gemauerte Gräben in Kreuzform
Die laufende Forschungsgrabung habe gezeigt, dass im Fußboden der Stiftskirche zwei sich kreuzende gemauerte Gräben aus Bruchsteinen verliefen. Die flachen Gräben von weniger als einem halben Meter Breite seien ursprünglich mit Platten abgedeckt gewesen, sagte Wehner. Sie stammen aus der Gründungszeit des Stiftes in der Mitte des 10. Jahrhunderts, wie mithilfe der Radiokarbonmethode ermittelt werden konnte. Und in ihrem Kreuzpunkt wurde die Tumba für den Stifter Graf Lothar II. aufgestellt. Die Tumba steht heute in der Dorfkirche.
Zumindest in einem der Gräben hätten ursprünglich Keramikgefäße des 10./11. Jahrhunderts gestanden. Zudem wurde ein Knochenplättchen mit Kreisaugenmuster entdeckt, welches wohl von einem Reliquienkästchen stammte, sagte Wehner. Er verwies zudem auf einen vergleichbaren Fund auf der Prager Burg: Auch die Bestattung des böhmischen Herzogs Boleslav II. (gestorben 999) in der Georgskirche wurde im Schnittpunkt zweier gemauerter Gräben angelegt - wobei das Kreuz in Walbeck deutlich größer sei.
Eines der Schmuckstücke an der Straße der Romanik
Auch zur Baugeschichte des Stiftes konnten neue Erkenntnisse gewonnen werden. So wurden südlich der Ruine Reste des früheren Kreuzgangs freigelegt. Die Innenmauer aus Sandsteinquadern sei nach Ausrichtung, Fugenbild und Mörtel in das 10./11. Jahrhundert zu datieren, hieß es. Es stünden noch weitere Untersuchungen an. „Doch es wäre fantastisch, wenn wir hier einen ottonenzeitlichen Kreuzgang nachweisen könnten“, sagte der Experte vom Landesamt.
Der Geschichtsschreiber und Bischof Thietmar von Merseburg (975-1018) hatte in seinem „Chronicon“ berichtet, dass sein Großvater Lothar als Sühneleistung für die Beteiligung an einer Verschwörung gegen den späteren Kaiser Otto I. (912-973) nach einjähriger Haft auf seinem Gut in Walbeck ein Kanonikerstift gegründet hat, wo er 964 auch beigesetzt wurde.
Von dieser ab etwa 943 errichteten romanischen Kirche stehen bis heute noch hoch aufragende Mauern. „Das ist sehr selten für diese Zeit“, sagte Meller. Lediglich St. Cyriacus in Gernrode und die Krypta von St. Wiperti in Quedlinburg seien in Sachsen-Anhalt ähnlich alt. Damit zählt die Ruine zu den herausragenden Denkmälern an der Straße der Romanik.