Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer, hat mehr Friedensbereitschaft und eine stärkere Würdigung ziviler Konfliktbearbeitung gefordert. Beim Gedenken an die vollständige Zerstörung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg kritisierte Kramer am Sonntagabend in der Stadt, dass die friedliche Konfliktlösung in der Friedensdenkschrift der EKD nicht thematisiert werde. Dabei funktioniere das Konzept, wie etwa die Verträge Israels mit Jordanien und Ägypten zeigten.
Entgegen der verbreiteten Ansicht, dass man den Feind durch eine starke Rüstung abschrecken müsse, wenn man Frieden haben wolle, sagte der EKD-Friedensbeauftragte: „Wer Krieg vorbereitet, wird auch Krieg bekommen.“ Die Friedens- und Konfliktforscher hätten weltweit belegt, dass zusätzliche Rüstungsinvestitionen nicht zu zusätzlicher Sicherheit führten. Deshalb forderte er einen Paradigmenwechsel: weg von der Sicherheitslogik, hin zur Friedenslogik.
Frieden muss vorbereitet werden
Kramer forderte: „Wer Frieden will, der muss den Frieden vorbereiten.“ Das sei keine Utopie, sondern auch angesichts der weltweiten Bedrohungen unumgänglich. Hingegen würde ein Drehen an der Gewaltspirale nur die Gefahr neuer Konflikte, etwa um Energie, Wasser oder Nahrung, erhöhen. Womit wiederum die Gefahr neuer Kriege steige. Deshalb brauche es „Menschen, die bereit sind, sich für den Frieden zu engagieren“. So habe Mahatma Ghandi (1869-1948) Indien vom Joch des britischen Kolonialsystems befreit und so hätten auch die DDR-Bürger eine friedliche Revolution herbeigeführt.