Ski und Rodel gut: Hotels und Gästehäuser in den Wintersportgebieten von Harz und Thüringer Wald erfreuen sich gegenwärtig großer Nachfrage. Doch auch zu anderen Jahreszeiten haben die Touristiker in Sachsen-Anhalt und Thüringen wieder gut lachen: Die Rückschläge der Corona-Jahre sind weitgehend überwunden, teilen die Tourismusverbände mit.
So zählten die rund 1.100 Beherbergungsbetriebe in Sachsen-Anhalt 2024 wieder 8,4 Millionen Übernachtungen. Das sei nahezu auf dem Niveau des Rekordjahres 2019, hieß es vom Landestourismusverband in Magdeburg. Noch stärker legte der Thüringer Fremdenverkehr zu und erreichte 2024 sogar 10,1 Millionen Übernachtungen in seinen rund 1.200 Hotels, Gasthöfen und sonstigen Unterkunftsbetrieben, vermeldete das Thüringer Tourismusnetzwerk in Erfurt.
Orte für Gemeinschaft und Mehr
In ihren Übersichten spielen christliche Gästehäuser und Hotels bisher kaum eine Rolle. Das dürfte vor allem an der eher geringen Zahl von zusammen nur etwa 50 Einrichtungen liegen. Dennoch gibt es auch hier positive Entwicklungen, wie Anfragen des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergaben.
„Christliche Herbergen sind nicht nur Übernachtungsbetriebe, sondern häufig Orte von Gemeinschaft, Bildung, Seelsorge und sozialem Miteinander - offen für Menschen mit und ohne Konfession“, sagt Sebastian Stattaus. Er vertritt als Geschäftsführer des Netzwerkes „Himmlische Herbergen“ bundesweit rund 290 christliche Gästehäuser, vom Selbstversorgerhaus bis zum Tagungshotel.
Auf der Internetseite finden sich auch zwölf Häuser in Thüringen und neun in Sachsen-Anhalt, etwa das Evangelische Allianzhaus in Bad Blankenburg, das Cyriakushaus in Gernrode oder Schloss Mansfeld. Stattaus schätzt bei den mitteldeutschen Häusern die „große inhaltliche Stärke, etwa im Profil, bei geistlichen Angeboten sowie durch attraktive Natur- und Kulturstandorte“. Natürlich profitierten die Mitglieder des Netzwerkes auch von den bis zu 100.000 monatlichen Besuchen auf der Internetseite „Himmlische Herbergen“.
Kircheneigene Gästehäuser
Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat fünf kircheneigene Unterkünfte, wie das Augustinerkloster Erfurt, die Burg Bodenstein oder das Kloster Drübeck im Harz. Nach Auskunft von Geschäftsführer Carsten Fromm wird aktuell auf Burg Bodenstein und im Augustinerkloster kräftig saniert und in Lüftungstechnik für die Küchen investiert.
Eine große Herausforderung sieht Karsten Meißner vom Cyriakushaus in Gernrode in der Personalsuche. „Hier lässt sich im Inland kaum noch jemand finden“, beklagt er. Deshalb sei für Hotellerie und Gastronomie „eine Neuregelung der Arbeitsmigration der einzige Ausweg, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“.
Schlossbewohner auf Zeit
Seit mehr als 20 Jahren zieht es Konfirmanden aus Kirchgemeinden der gesamten mitteldeutschen Region im Februar und März zum „KonfiCastle“ ins Schloss Mansfeld, nur 20 Autominuten nördlich von Lutherstadt Eisleben. Aufgrund der großen Nachfrage organisiert der christliche Jugendverband CVJM jeden Winter bereits sieben dieser mehrtägigen Schlossaufenthalte für jeweils 75 Konfirmanden und 20 Mitarbeitende.
Schloss Mansfeld profitiert neben der Nähe zu den Lutherstätten und dem mittelalterlichen Burgareal im Wald auch von seiner Größe: In 26 Zimmern gibt es knapp 100 Schlafmöglichkeiten, dazu Tagungs- und Gruppenräume. So stieg die Auslastung nach den Lockdowns schnell, sagte Falk Seidensticker vom Förderverein des Schlosses. Doch die erhöhten Kosten machten eine spürbare Preiserhöhung notwendig, um „eine positive wirtschaftliche Entwicklung“ abzusichern. Jedoch hat Mansfeld mit der spätgotischen Schlosskapelle ein besonderes Detail, welches es auch von den allermeisten „Himmlischen Herbergen“ abhebt und viele Gäste anzieht.