Die Glocken des Magdeburger Doms
Magdeburg (epd).

Der Bau von Deutschlands ältester gotischer Kathedrale begann nach einem verheerenden Stadtbrand am Karfreitag 1207, bei dem die romanische Vorgängerkirche stark beschädigt wurde. Der Magdeburger Dom St. Mauritius und Katharina wurde im Jahre 1363 geweiht. Bereits aus dieser Zeit stammt die älteste erhaltene Glocke Magdeburgs, die „Orate“ („Lasst uns beten“) auf dem Dachreiter. Sie wurde wohl im 13. Jahrhundert gegossen. Nach Reparaturen wurde sie 1994 wieder in Betrieb genommen und kündigt das Mittagsgebet im Dom an.

Im nördlichen der beiden Osttürme des Doms gab es spätesten ab 1446 Glocken, die zu den Gottesdiensten des Domkapitels geläutet wurden. Bis heute sind noch die Öffnungen für die Läuteseile in den Gewölbedecken erhalten. Die letzten sechs Glocken wurden 1827 entfernt, als im Zuge der preußischen Domsanierung ein Fachwerkaufsatz mit Glockenstuhl abgebaut wurde.

Frühere Glocken des Doms

Von den ursprünglich etwa 12 bis 15 Glocken des Doms sind heute nur noch vier Läuteglocken und eine Uhrschlagglocke („Schelle“) erhalten. Vermutlich wurden die meisten verlorenen Klangkörper im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 und im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zu Kanonen verarbeitet.

Für den südlichen Westturm hatte der Danziger Glockengießer Meister Heinrich 1468 die „Maxima“ gegossen, die angeblich 200 Zentner, also zehn Tonnen, gewogen hat. Nachdem sie bereits 1521 einen Sprung bekam, sollte sie während des Schmalkaldischen Krieges zum Kanonenguss genutzt werden. Bei der versuchten Demontage stürzte die Maxima jedoch ab und riss sämtliche hölzernen Zwischendecken des Südturms in die Tiefe.

Das Geläut des Nordturms

Das Geläut beschränkt sich heute auf drei Läuteglocken im nördlichen Westturm und die „Orate“ auf dem Dachreiter. Die „Osanna“ („Lasst uns loben“) wiegt 8,8 Tonnen und wurde im 15. Jahrhundert gegossen. Seit dem Absturz der „Maxima“ ist sie die größte Glocke des Doms. Wegen Rissen musste die Glocke in den Jahren 1574, 1586, 1658 und 1702 umgegossen werden.

Die „Apostolica“ („Lasst uns vergeben“) ist mit 4,98 Tonnen Gewicht die „Werktagsglocke“ und wird wegen ihrer Klangschönheit gerühmt. Ihre erste Erwähnung fällt in die Jahre 1445/1446. Im Jahre 1567 wurde sie an ihren jetzigen Platz gehoben. Auch sie musste 1593 und 1690 wegen Rissen umgegossen werden.

Um die 1575 in Magdeburg gegossene „Dominica“ („Lasst uns hinschauen“) zu läuten, wurden früher drei Personen benötigt. Die „Dominica“, die normalerweise zum Sonntagsgottesdienst ruft, wurde 2004 wegen zahlreicher Schäden stillgelegt und 2019 zur Reparatur aus dem Turm gehoben.

Die neuen Domglocken

Bereits im 19. Jahrhundert gab es Pläne, das rudimentäre Geläut zu erneuern. Doch erst im Jahr 2018 nahm sich der Förderverein Domglocken Magdeburg des Themas an. Für den Guss neuer Glocken und die Überarbeitung des vorhandenen Geläuts kam man 2021 auf geschätzt 2,5 Millionen Euro Kosten. Für die Arbeiten an den Türmen zur Aufnahme des Geläuts und die entsprechenden Glockenstühle wird mit weiteren 6 Millionen Euro Kosten geplant.

Die acht neuen Glocken sind die „Amemus“ („Lasst uns lieben“, gegossen 2022) mit 6,5 Tonnen Gewicht, die „Cantemus“ („Lasst uns singen“, 2023) mit 1,7 Tonnen, die „Benedicamus“ („Lasst uns segnen“, 2022) mit 1,3 Tonnen, die „Queramur“ („Lasst uns klagen“, 2023) mit 910 Kilogramm, die „Dubitemus“ („Lasst uns zweifeln“, 2023) mit 820 Kilogramm, die „Resistamus“ („Lasst uns widerstehen“, 2023) mit 580 Kilogramm, die „Speremus“ („Lasst uns hoffen“, 2023) mit 440 Kilogramm sowie die „Credamus“ („Lasst uns glauben“, 2025) mit fast 15 Tonnen.

Mit dem Ende 2025 durchgeführten Guss der „Credamus“ sind die Glocken für das neue Geläut komplett. Am 24. Mai soll die neue Glocke im Magdeburger Doms der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Nach Angaben des Fördervereins ist sie mit 14,99 Tonnen Gewicht die weltweit größte Glocke in einer evangelischen Kathedrale und nach dem „Dicken Pitter“ im Kölner Dom die zweitgrößte Glocke Deutschlands.

Von Thomas Nawrath (epd)