Das Bündnis gegen Cybermobbing verzeichnet bei Kindern und Jugendlichen eine wachsende Zahl von Hass im Internet. 20,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind aktuell Opfer von Cybermobbing, wie aus der sechsten „Cyberlife“-Studie des Bündnisses hervorgeht, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Bei der vergangenen Erhebung im Jahr 2024 waren es noch 18,5 Prozent. Zudem gaben 63 Prozent der befragten Lehrkräfte an, dass Cybermobbing an ihrer Schule ein Problem sei, neun Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren.
Für die „Cyberlife VI“-Studie wurden in diesem Jahr 716 Lehrerinnen und Lehrer, 4.525 Schülerinnen und Schüler sowie 1.113 Eltern online befragt. Demnach sind 70 Prozent der befragten Lehrkräfte bereits mit Cybermobbing in Berührung gekommen. Kinder und Jugendliche gaben an, dass die Mobber meist direkt aus ihrer Klasse kamen (70 Prozent). 71 Prozent gaben an, die Personen, von denen sie online gemobbt werden, persönlich zu kennen. Mädchen waren demnach insgesamt stärker betroffen als Jungen.
Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnisses, sagte, die Ergebnisse zeigten, dass Cybermobbing ein weiter wachsendes Problem an Schulen und im privaten Umfeld von Kindern und Jugendliche sei. Mittlerweile fühlten sich auch Pädagogen und Pädagoginnen an den Schulen bei diesem Thema überfordert.
KI und Gaming-Plattformen spielen eine Rolle
Auch Künstliche Intelligenz (KI) spiele mittlerweile eine stärkere Rolle. 30 Prozent der Jungen und 26 Prozent der Mädchen nutzten den Angaben zufolge KI als Mittel, um andere zu mobben. Neben Messengerdiensten wie WhatsApp benutzten vor allem Jungen häufig Gaming-Plattformen (54 Prozent).
Die Folgen von Cybermobbing können drastisch sein: 25 Prozent der Betroffenen haben darüber nachgedacht, sich das Leben zu nehmen. 17 Prozent gaben an, deswegen zu Alkohol, Tabletten oder anderen Drogen gegriffen zu haben. Die Maßnahmen zur Vermeidung von Mobbing und Cybermobbing bewerteten nur 24 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler als ausreichend. 62 Prozent gaben an, dass der Staat nicht genug gegen den Hass unternehme.
Als Lösungsansatz sprachen sich 76 Prozent der Eltern für eine Altersgrenze bei sozialen Medien aus. Bei den Lehrkräften seien es sogar 81 Prozent. Lehrkräfte befürworteten überwiegend eine Altersgrenze ab 16 Jahren für die Nutzung. Selbst 49 Prozent der Kinder und Jugendlichen seien für ein Verbot, nur 28 Prozent sprachen sich dagegen aus.
Internetführerschein statt Social-Media-Verbot
Leest sagte, das Bündnis gegen Cybermobbing sehe ein solches pauschales Verbot, wie es mittlerweile in Australien in Kraft ist, kritisch. Die Schülerinnen und Schüler sollten lieber den verantwortlichen Umgang mit den Medien erlernen.
Das Bündnis gegen Cybermobbing plädiert etwa für einen „Internetführerschein“, der bestenfalls gemeinsam mit den Eltern absolviert werde. Der Verein ist außerdem für die Einführung von „verdeckten Klarnamen“ im Internet, um Täter schnell identifizieren zu können und von weiteren Taten abzuhalten.