Die Historikerin Nancy Aris bleibt sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Der sächsische Landtag stimmte der Personalie am Mittwoch in Dresden mit deutlicher Mehrheit zu. Aris hatte sich zur Wiederwahl gestellt. Sie ist seit 2021 Landesbeauftragte. Zuvor war sie 18 Jahre lang stellvertretende Beauftragte in Sachsen.
Die 1970 in Ost-Berlin geborene Historikerin ist auch Autorin mehrerer Bücher zur DDR-Diktatur. Der oder die Landesbeauftragte wird jeweils für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Die Neubesetzung war zum 1. Mai 2026 notwendig geworden. Zum sächsischen Landtag gehören 120 Mitglieder.
Weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen
Aris erklärte nach der Wiederwahl: „In den nächsten Jahren stehen wir in der DDR-Aufarbeitung vor großen Herausforderungen.“ Zeitzeuginnen und Zeitzeugen würden weniger, viele ehrenamtlich Engagierte älter. Die Aufarbeitung erlebt nach Ansicht von Aris einen Generationswechsel. Aufgabe bleibe es jedoch, die Erinnerung an das SED-Unrecht lebendig zu halten und Wissen zur DDR-Diktatur zu vermitteln.
Gerade Bildungsangebote für jüngere Menschen müssten dringend weiterentwickelt werden, erklärte Aris. Zivilgesellschaftliches Engagement bleibe in der Aufarbeitungsarbeit unverzichtbar, zugleich müssten staatliche Einrichtungen „eine größere Verantwortung für die dauerhafte Sicherung und Vermittlung des Wissens übernehmen“. Die angespannte Haushaltslage setze dabei Grenzen und bremse die immer notwendiger werdende Bildungsarbeit in den Gedenkstätten aus.
Kritische Erinnerungskultur
Als Landesbeauftragte unterstützt Aris die Perspektiven der von DDR-Unrecht betroffenen Menschen, auch um ihr Schicksal sichtbar zu machen. Zugleich setzt sie sich für eine kritische Erinnerungskultur und eine lebendige Gedenkstättenlandschaft ein. In ihrer ersten Amtszeit engagierte sie sich maßgeblich für die Gedenkstätte im ehemaligen DDR-Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg und den Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz.
Aris studierte nach 1990 Russistik, Polonistik und Neueste Geschichte in Berlin, Moskau und Wrocław. Sie promovierte zur Geschichtsschreibung im Stalinismus. Seit 2003 war sie stellvertretende Landesbeauftragte. Zu den zentralen Aufgaben der Behörde gehört die Unterstützung von Menschen, die in der DDR politisch verfolgt wurden. Mit Angeboten der historisch-politischen Bildung ist das Team in ganz Sachsen tätig. Außer Aris gehören zur Geschäftsstelle fünf weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.