Mehr junge Leute suchen Rat bei der Kirche zum Dienst an der Waffe
Frankfurt a.M. (epd).

Der Start des neuen Wehrdienstes bringt junge Menschen vermehrt dazu, kirchliche Beratung zum Dienst an der Waffe und zur Kriegsdienstverweigerung zu suchen. Fast alle der 20 evangelischen Landeskirchen berichten von einer steigenden Nachfrage im laufenden Jahr und einem Ausbau des Angebots. Einige Landeskirchen wie etwa die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz weisen 18-Jährige per Postkarte auf Beratungsmöglichkeiten hin, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergab. Bei anderen ist das demnach in Planung.

Katholischerseits hat die Organisation pax christi Ende vergangenen Jahres bundesweit neue Beratungsstrukturen aufgebaut. Das Interesse nehme besonders dann zu, wenn das Thema Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung verstärkt in den Medien präsent sei, hieß es. Als Gründe gäben Ratsuchende vor allem die als gestiegen wahrgenommene Kriegsgefahr seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 sowie die Debatte über Verteidigungsfähigkeit an.

Deutlich mehr Anträge beim Bundesamt

Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung hat sich seit dem Start der Wehrerfassung für alle 18-Jährigen zu Jahresbeginn deutlich erhöht. Bis zum 31. Juli gingen im laufenden Jahr 8.302 Anträge beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein. Das waren mehr als doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr mit 3.879 Anträgen.

Die Kirchen betonen, die jungen Menschen ergebnisoffen zu beraten. „In der Praxis wenden sich jedoch fast ausschließlich Menschen an pax christi, die sich bereits für eine Kriegsdienstverweigerung entschieden haben und Unterstützung beim Antragsverfahren suchen“, sagte eine Sprecherin der ökumenischen Friedensbewegung in der katholischen Kirche.

Persönliche Gewissensentscheidung

Mehrere evangelische Landeskirchen stellen heraus, dass die Verweigerung eines Dienstes an der Waffe auf einer persönlichen Gewissensentscheidung beruht. Die Beratung werde als seelsorgerliche Gewissensbegleitung verstanden und sei ergebnisoffen, hieß es etwa von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

Wie stark die Beratungsnachfrage insgesamt zugenommen hat, können nur wenige Landeskirchen beziffern. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland erklärte, die Zahl der Anfragen sei seit 2022 kontinuierlich gestiegen und habe 2026 einen Höhepunkt erreicht. Die Evangelisch-lutherische Kirche in Bayern geht für das bisherige Jahr annähernd von einer Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus.

Mehrere Landeskirchen kooperieren bei Informationen für die jungen Menschen und der Ausbildung von Beraterinnen und Beratern untereinander sowie mit der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK). An einer WhatsApp-Journey zum Thema Wehrdienst und der Webseite „wehrpflicht.sinnundsegen.de“ sind die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Evangelische Kirche der Pfalz beteiligt.

Von Karsten Frerichs (epd)