KI-Nutzung: Herausgeber des "Tagesspiegel" lässt Aufgaben ruhen
Berlin (epd).

Der Editor-at-Large beim Berliner „Tagesspiegel“, Stephan-Andreas Casdorff, muss seine Tätigkeiten für die Zeitung wegen publizistischer Verfehlungen ruhen lassen. Der ehemalige Herausgeber und Chefredakteur habe Meinungsartikel mit Künstlicher Intelligenz (KI) verfasst, teilte die Zeitung am Freitag in eigener Sache mit. Casdorff habe damit gegen redaktionelle Richtlinien verstoßen. Es gehe um den „Kern der journalistischen Glaubwürdigkeit“.

Casdorff gestand die Vorwürfe laut der Mitteilung: „Für die Texte habe ich KI genutzt.“ Er habe „einen Riesenfehler gemacht“, habe dem Haus geschadet und sich selbst. „Dafür bitte ich von ganzem Herzen um Entschuldigung“, schrieb Casdorff.

Texte vorerst depubliziert

KI sei „für unsere Redaktion ein Werkzeug“, könne aber „nicht die Aufgabe übernehmen, ganze Texte zu verfassen“, hieß es von der Zeitung. „Deshalb lässt der Fall keinen anderen Schritt zu“, der allerdings „sehr“ bedauert werde. Casdorff habe über viele Jahre „wertvolle Arbeit für den 'Tagesspiegel' geleistet“. Die entsprechenden Texte werden den Angaben zufolge bis zum Abschluss der genauen Prüfung vorerst offline genommen.

Im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz gab es in den vergangenen Tagen eine Debatte um einen Gastbeitrag des Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Auch dort wurde der Artikel depubliziert, nach Hinweisen durch das Rechercheportal „Frag den Staat“.